USA Today brachte am 1. April einen längeren, abwägenden Artikel, wie sich die US-Kinobranche zur 3-D-Konversion stellt. Dabei bleibt unentschieden, ob 3-D als eine vorübergehende Mode (vergleichbar etwa mit "Sensurround" oder im Online-Bereich mit SecondLife) einzuschätzen ist — oder ob es sich um einen grundlegenden Medienwechsel wie bei der Umstellung vom Stumm- zum Tonfilm handelt. Der Text wertet gegen Ende, dass es, solange es sich bei 3-D um eine Reihung von Animationsfilmen mit entsprechender Effekt-Häufung handelt, es stets die cinematisch erzählten Geschichten sind und sein werden, die Menschen vor Leinwänden in Kinos versammeln läßt — und nachhaltig eben nicht irgend welche Gimmicks und Gadgets im Modegeschmack der Zeit. Von der ungelösten Brillenproblematik (Logistik, Bürde, Hygiene, Eigentumsrecht, Mietsysteme, Schwund etc.) einmal ganz abgesehen.
Es gilt aber auch die Aussage jener Mutter von Kindern, die gegenüber der vorherrschenden und dominanten Computerspielästhetik keinen Abstieg ins Kino vornehmen möchten. In die gleiche Bresche müsste man argumentieren, warum ein Katastrophen-Alarmsystem wie Twitter zur neuen Freizeitdauerbeschäftigung mutieren konnte und Nintendo mit der DSi ein Spielzeug in den Markt drückt mit Features, die niemand wirklich braucht, wenn er oder sie die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren möchte. Es gab aber auch einmal die Hula-Hop-Manie — und auch die ist wieder vergangen. Zeitgeist ist kein guter Lehrer.
Dass von Sensurround allerdings der Subwoofer dem Kino gelieben ist, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht solle man auch bei 3-D einmal dramaturgisch "um die Ecke denken".
In einem NYT-Artikel von heute wird deutlich, dass das Unbehagen am Google-Monopol in Sachen "Bücherdigitalisierung aller Zeiten" auch in den USA wächst. Brewster Kahle vom Internet Archive kommt in dem Beitrag ebenfalls zu Wort. Dass die Angelegenheit auch uns hier in Deutschland und Europa betrifft (und damit zeigt, wie fragwürdig ein nationalstaatliches Urheberrecht ist) zeigte sich mir letzte Woche durch einen ausführlichen Informationsbrief der VG-Wort in der Angelegenheit des fragwürdigen "Out of Court"-Settlement. Das Problem scheint mir allerdings nicht das Projekt selbst zu sein, alle Bücher aller Zeiten digital zugänglich zu machen, sondern einzig in der monopolistischen Marktmacht von Google zu liegen. Hier wäre weltweit in einem weiteren G50-Gipfel eine Deregulierung einzuleiten. Entweder man zerschlägt Google in Baby-Googies oder man sozialisiert den Laden in einem neuen Modell nach öffentlich-rechtlichem Modell. Und ich bin der Auffassung, dass im neuen Medienmix auch die bestehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland ihren gerechten 10 %igen Anteil an einer neu einzuführenden Kulturflatrate (statt der GEZ-Gebühr) weiterhin erhalten sollten. Dafür war das Feature von gestern als "Nachruf auf die Magnetbandzeit" im DLF dann doch recht gut für eine allgemeine Hörerschaft.
ATRIUM
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Samstag, 4. April 2009
Donnerstag, 2. April 2009
Neues Disney-Museum im Presidio von San Francisco
Gestern in der NYT ein hoffentlich nicht als Aprilscherz gemeinter Beitrag über ein neues, im Oktober öffenendes, Museum, das ganz der Person Walt Disney und seiner Lebens-Leistung gewidmet sein soll. Auch die noch existierende San Francisco Chronicle berichtete gestern vorab. Die ehemalige Marine-Garnison "Presidio" in San Francisco wird damit neben dem ehemaligen Letterman-Krankenhaus (heute ILM-HQ von George Lucas; links im Bild) und dem Internet Archive HQ (residiert in einem netten, kleinen Häuschen) um eine touristische Attraktion reicher. Ich bin im Presidio immer sehr gerne spazieren gegangen; das Presidio ist für mich einer der vorrangig kontemplativen Orte auf der Halbinsel von San Francisco; mir kamen dort stets die besten Gedanken bei der stets frischen Brise in direkter Nähe zum Golden Gate. Demnächst wird zudem noch ein weiteres Privatmuseum, das nämlich von "Gap"-Gründer Donald Fisher als Gemäldegalerie zeitgenössicher Kunst, das Presidio beleben. (Eine andere Geschichte voller Konflikte.)Die Eckdaten des künftigen Disney-Museums: 112 Mio. US-$ Kosten, 517.000 Besucher als max. Kapazität pro Jahr (entspricht 60 Personen pro 15 Min. Öffnungszeit), 215 Videomonitore, 20 US-$ Eintritt für Erwachsene mit Zeitfenster, ein Kinosaal mit 120 Sitzen und eine Multiplan-Trickfilmkamera im Original (hoffentlich!). Der Beitrag in der NYT thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlich biographischer Arbeit von Filmhistorikern im deutlichen Kontrast und Konflikt zu Familien-Interessen mit Versuchen zur Wahrung von vermeintlicher Familienehre. Die beiden im NYT-Beitrag genannten Disney-Biographien sind sehr lesenswert – neben den anderen acht, die in dem Beitrag nicht erwähnt werden. Die Biographieforschung als Teil der Disney-Studies wird so schnell zu keinem endgültigen Ergebnis kommen. Zu viele Fragen sind zur Person Walt Disney weiterhin scheunentorweit offen. Bewegung dürfte sich zu gegebener Zeit mit einem stereoskopischen Blick auf biographische Parallelen zwischen Walt Disney und Steve Jobs einstellen.
ATRIUM
Foto-Credit: Joachim Polzer
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