Samstag, 14. März 2009

Mein Schimpanse ist von Beruf ein Logistiker

Bestimmt kennen einige noch das Lied "Mein Mädel ist nur eine Schuhverkäuferin" aus dem "musikalischen Konversationslustspiel" mit dem Titel "Meine Schwester und ich" von Ralph Benatzky, das, 1930 in Berlin uraufgeführt, neben dem "Weißen Rössl" zu den bekanntesten Stücken des vor den Nazis emigrierten Komponisten und Librettisten gehört. Zu den Songs über Berufsinhaber können wir nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nun noch einen weiteren hinzufügen mit dem Song-Refrain: "Mein Schimpanse ist von Beruf ein Logistiker". Heinz Woezel hätte in den 1950ern aus diesem Refrain einen grandiosen Gassenhauer gemacht.

Der Scherz hat einen tieferen Sinn, denn Anfang der Woche ging eine Nachricht durch die Agenturen und Zeitungen, die uns von Santino aus der schwedischen Stadt Gävle berichtet wurde, eine Stadt in der bedauerlicherweise die Falschen hinter schwedischen Gardinen sitzen, was dem armen Mann dazu brachte, planmäßig in seiner Zelle Steine zu sammeln, um sie Gaffern entgegen zu werfen.

Die Sensation, die sich dahinter nun verbirgt, ist die Tatsache, dass Santino ein Schimpansen-Männchen im Furuvik-Tierpark ist und die Gaffer sich als Biologen und Verhaltensforscher der Universität Lund um Mathias Osvath entpuppten, die uns via Fachmagazin "Current Biology" - so die SZ - mitteilten, daß

dem Affen demnach nicht nur bewusst (ist), womit er in Zukunft rechnen muss. Er bereitete sich auf die zu erwartenden Ereignisse und sogar seine eigenen zukünftigen Gefühle, seinen mentalen Zustand, auch gezielt vor.
Ihre Beobachtungen, erklärte Osvath, deuteten darauf hin, dass Menschenaffen ein weit entwickeltes Bewusstsein besitzen. "Sie verfügen sehr wahrscheinlich über eine 'innere Welt' wie wir, wenn es darum geht, sich an vergangene Ereignisse unseres Lebens zu erinnern oder an bevorstehende Tage zu denken".


dpa und ap berichteten darüber hinaus:

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig bewerteten die Studie als sehr überzeugend. Die Forscher hatten bereits im Jahr Jahr 2006 herausgefunden, dass Affen wie kleine Manager in Kategorien von Produktivität und Effektivität denken können. Bei Versuchen in Uganda zeigte sich, dass die Tiere erkennen können, wann sie Hilfe brauchen und sich dann die besten Helfer suchen. Die nun festgestellte Vorausplanung war aber bisher kaum bekannt.


Das ist in der Verhaltensforschung bei Primaten eine Sensation und revidiert die schwarze "Subtraktionsanthropologie" (Mensch ist, wenn man das Tierische abzieht und das Gedankliche zum einzigen Wesensmerkmal macht) grundlegend. Dass dies evident sein muß, habe ich schon in den 1980ern bei meinem Lehrer Rudolf zur Lippe in Oldenburg lernen können.

Darüber hinaus ist es nach der wissenschaftlichen Entdeckung der Infraschall-Weitraumkommunikation durch Bodenübertragung und Bodenabtastung bei Elefantenpopulationen durch Caitlin O'Connell nicht nur ein weiterer Meilenstein der Ethologie, sondern darüber hinaus auch ein Indiz auf dem Gebiet der erkenntnistheoretisch orientierten Anthropologie.

Dazu müssen wir noch einen Schritt weitergehen und jetzt wird es spannend:

Es gibt seit etwa 10 - 15 Jahren eine Reihe von Ereignissen, auf die wir uns eigentlich keinen so rechten Reim machen können. Das Spektrum reicht von 9/11 über UFO-Erlebnisse und hin zu Kornkreisen. Also der ganze Esoterikkram, den man lieber in "Cheap Television" abschiebt, eine andere Art von Zoo und auch vergittert.

Es gibt allerdings einen, der den Schimpansen Santino aus Schweden mit diesen anderen seltsamen obskuren Dingen zusammen bringen kann - und wenn man die Kraft zum Zusammenbringen von Heterogenem hat, dann darf man sich Synthetiker nennen. Einer dieser Synthetiker heißt Daniel Pinchbeck und er hat darüber ein Buch geschrieben mit dem Titel

2012. Die Rückkehr der gefiederten Schlange

(und im englischen Original: 2012: The Return of Quetzalcoatl)

Dazu der Klappentext dieses Buchtitels:

Während einer Reportage über schamanisches Reisen am Amazonas erfuhr der Journalist und Autor Daniel Pinchbeck mehr über die Prophezeiung des Maya-Kalender und erkannte überwältigt von seinen Erlebnissen -, dass die Menschheit vor der Wahl steht, entweder eine höhere Bewusstseinsstufe zu erreichen oder auf eine ökologische Katastrophe zuzusteuern: Mit der Rückkehr der Gottheit Quetzalcoatl der gefiederten Schlange steht das Jahr 2012 für den Übergang von unserer jetzigen Lebensform zu einer neuen, die in eine höhere Bewusstseinsform mündet. Der US-Bestseller- und Kult-Autor Daniel Pinchbeck beschreibt, wie wir uns auf diese spirituelle Veränderung vorbereiten können. Eine fesselnde Prophezeiung, die glaubhaft die Notwendigkeit der Erweiterung unseres Bewusstseins vor Augen führt.
Nach den Prophezeiungen des Maya-Kalenders markiert das Jahr 2012 den Übergang zu einem neuen Weltzeitalter, einer höheren Bewusstseinsform. Anhand seiner eigenen, fesselnden Biografie, in der sich Bewusstseinsexperimente wie Drogenkonsum ebenso finden wie schamanische Reisen oder Trancezustände, gelingt es Daniel Pinchbeck, den komplexen Prozess der Bewusstseinserweiterung zu veranschaulichen. Seine ganz persönlichen Erkenntnisse und Erlebnisse spiegeln die Möglichkeit zur spirituellen Transformation für uns alle wider und zeigt, dass eine große Zeitenwende bevorsteht.


Pinchbeck behauptet, dass ein Bewußtseinssprung unmittelbar bevorsteht und dieser nur krisenhaft und unter Zwang sich gebären wird; er argumentiert dabei auch mit den Theoremen von Jean Gebser, Pierre Teilhard de Chardin und - sehr überraschend - Rudolf Steiner.

Als ich Jean Gebser und Adorno in den 1980ern parallel gelesen habe, und Spaß daran fand, wie man bei Gebser im Gegensatz zu Adorno locker das Geschichtsmodell von Hegel komplett integrieren kann, war mir schon klar, dass der Schritt zur integralen Bewußtseinsstruktur irgendwann passieren wird, so in 400 - 500 Jahren. Dass das nun nicht nächste Woche, aber dann schon bis zum 21.12. 2012 stattfinden soll, hat für mich dann doch etwas Beängstigendes.

Und wenn man dann die Interpretatoren der Maya-Kalender (also vor allem Major-Jenkins) liest, die für Herbst 2008 eine große Wirtschaftskrise bereits vor rund 10 Jahren vorhergesagt hatten, dann dachte ich noch im Frühjahr 2008: "Naja, dass bisschen Subprime über dem Atlantik kann ja so schlimm nicht sein: Da haben die Prognostiker aber etwas übertrieben." Wie man sich täuschen kann! Mit Pinchbeck darf man konstatieren: 2012 ist ein mächtiger Archetypus.

Was hat nun der Schimpanse mit Pinchbeck zu tut? -- Die Prognostik wäre die, dass die Menschen und das heißt die Menschheit einen diskontinuierlichen (und angstsbesetzten) Bewußtseinssprung erleben werden und mit ihnen die Tierwelt und Pflanzenwelt, so dass die Pflanzenwelt tierisches Bewußtsein erlangt und die Tierwelt menschliches. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass die bodengestützte, elefantische Infraschall-Weitraumkommunikation wahrscheinlich schon seit ein paar zehntausend Jahren die tierische Grundform auch des menschlichen Internets ist; und deswegen ist ein wissenschaftlicher Bericht über einen, mittlerweile kastrierten, Schimpansen, der sich im schwedischen Zoo im Beruf des Logistikers übt, ein so überaus wichtiges Indiz, was um uns herum so alles gerade eben passiert, auch dann, wenn wir uns auf jugendliches Verhalten im Rems-Murr-Kreis keinen Reim mehr machen können.

Was das Ganze mit "Kinokultur" und "Kinoperspektiven" zu tun hat? -- Na, wir erinnern uns noch an den bedeutendsten bewußtseinserweiternden und bewußtseinsschaffenden Steinwurf eines Schimpansen in der Filmgeschichte? Notfalls auch vom 70mm breiten Breitfilmstreifen? Das war für mich mit 14 mein für alle Zeiten prägendes Kinoerlebnis im Stuttgarter Atrium. Das betreffende Kunstwerk wird heute, 14.03., um 20.30 h im Frankfurter Filmmuseum gezeigt, in 70mm-Präsentation, auf halben Wege zwischen 2012 und 2001, gut 40 Jahre nach den letzten rebellischen und bewußtseinserweiterten Zeiten von '68/'69.

Wer den Pinchbeck noch nicht gelesen hat, sollte dies möglichst bald tun.

Drei der Pressemeldungen zum schwedischen Logistiker finden sich hier:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/508/461136/text/
http://de.news.yahoo.com/2/20090310/tpl-schimpanse-legte-fuer-attacken-auf-z-ee974b3.html
http://www.netzeitung.de/wissenschaft/1295537.html

ATRIUM

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.