Samstag, 28. Februar 2009
Die Abschaffung der Zeit und nicht der FAZ
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" scheint mir im Inhalt (vor allem des Feuilletons) zunehmend anarchistischer zu werden.
Ich liefere dafür einige Belege:
Die Krise hat erst begonnen
„Verleger müssen wie Google denken“
Lady Lenin und der Wolf
Don Alphonso als "Stütze der Gesellschaft"
Wo stehst du politisch?
und gestern
Die Abschaffung der Zeit
Eines bleibt: Die besten Filmstoffe stehen nach wie vor in der Zeitung.
ATRIUM
Verein "Kinomuseum Berlin e.V." ins Vereinsregister eingetragen
Der Verein "Kinomuseum Berlin e.V." wurde mit Mitteilung des Amtsgerichts Charlottenburg vom 20.2.2009 in das Vereinsregister eingetragen.
Wenngleich das Aufgabengebiet klein und begrenzt erscheint oder - mit nostalgischem Pathos melodisch unterlegt - als "letzte Enklave" vor der allgemeinen Angleichung der Lebensverhältnisse in der modernen Medien- und Kommunikationsgesellschaft den Kontakt zu den Produktionsweisen des 20. Jhds. lebendig erhalten möchte, so sehr drängt auch die Frage nach Institutionalisierung einer Einrichtung für die Medientechnologien und Ästhetiken, die, wenngleich sie in Konkurrenz zur offenbar nur temporären Epoche der Filmtheater standen und diese letzlich besiegten, Wahrnehmungen und Weltbilder des Menschen seit der hochkapitalistischen Aufschwungsphase ab 1894 massiv beeinflussten.
Der Vorschlag von @ATRIUM war also im Konnex mit unserem radikalen Rückzug zu fossilierten Aufführungsweisen des Kinos zunächst überraschend, liegt aber als Desiderat in der zwingenden Logik einer gleichberechtigen musealen und wissenschaftlichen Aufarbeitung der ausdiovisuell bewegten Darstellungsformen des 20 Jhds.
Noch ist nicht absehbar, ob für diese Themen ein öffentlichen Interesse besteht, und wie Minimalbedingungen für Funktionen des gerade vorgeschlagenen Kinomuseums realisiert werden können.
Aktive Mitglieder und Förderen in der Konstituierungphase solcher Projekte zu finden, ist schwierig, so lange keine Referenzen und Veranstaltungen durchgreifen.
In der Vorphase der Gründung bspw. des Vereins "Kinomuseum Berlin" waren naturgemäss viele lange Gesichter und skeptische Kommentare zu vernehmen, die sich anderentags schon wieder positiver zeigten.
Wohl erst mit dem sehr schwer finanzierbarem Durchbruch, d.h. in der Akquise einer Dauerausstellung und eines permanenten Veranstaltungsraums, bin ich optimistisch, daß geneigte Kinofreunde regelmässig den Kontakt zum Verein oder zur Wirkungsstätte wahrnähmen - vorher erst mal nicht.
Da das Projekt - trotz seiner Anfangsschwäche - dennoch die Runde machte, steht eine liebevollen und sorgsamen Aufbauarbeit leider die Gefahr gegenüber, dass nicht nur diese Projektidee anderweit annektiert werden soll. Das führt dort war zu keiner vergleichbaren Kompetenz, jedoch ist es geeignet, dem BKM-Beauftragen deutlich zu machen, das man am Potsdamer Platz höherer Subventionen bedarf, um sich nicht von Vereinen den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen.
Ein Kinomuseum wäre durchaus förderungsfähig und würdig, es steht aber zu befürchten, dass andere die angedachten Projektideen als die ihren ausgeben und Förderbeträge in beachtlicher Weise beziehen, die wieder einmal in keinem Verhältnis zur Nachhaltigkeit des Konzepts oder einer würdigen Umsetzung stünde, wie wir es gerade auf einer eben so teuren wie auch leider improvisiert durchgeführten Retrospektive der Berlinale erleben mussten.
Somit entsteht ein Zugzwang, der einer sofortigen Projektabsicherung bedarf, um sich vor einem Kannibalismus der staatlich versorgten Deutungshoheiten zu schützen.
Es scheint, als wenn hier nur noch in Verschwiegenheit operiert werden kann, nachdem der Diskussionsanstoss etwa im Kinoforum der Filmvorführer allenfalls Störenfriede aktivierte, anstatt, wie zu hoffen wäre, zu einen Aktionsdrang zu beflügeln.
Die Vorschläge für evt. Standorte sind seit den Erfahrungen der letzten Wochen nur noch vertraulich mitzuteilen.
Die Herausforderung bleibt im Moment die Raumfrage, weniger aber die Technik-, Personal- oder Programmfrage, die sich m.E. fast von selbst ergibt.
CINERAMA
Freitag, 27. Februar 2009
Berliner Kinomuseum
http://www.kinokompendium.de/kinomuseum.htm
Zur Positionsbestimmung eines in Berlin derzeit fehlenden Kinomuseums schieb Mr. Cinerama vom Vorstand des Ende 2008 neu gegründeten Kinomuseum Berlin e.V. vor kurzem an anderer Stelle im Internet einige Thesen, die in den vielen wilden Diskussionen der Foren nicht verloren gehen sollten:
Da ich von unserem Vorgänger M.C. (vielbelächelter Betreiber des "1. Berliner Kinomuseums" seit 1962, eines spartanisch hergerichteten Kinos in Manier der Nickelodeons mit harten Klappstühlen der 1910er Jahre) in den letzten Jahren einiges begriffen habe, was ich zuvor lediglich skurril fand, ergeben sich einige Beobachtungen:
- das Konzept eines archetypischen Spielbetriebes unter Ausblendung sämtlicher späterer Moden und Technologien erklärt sich aus dem Anspruch eines Museums selbst
- Der Rückgriff auf Consumer-Medien (falls dies gar in einigen KoKis in Kürze Schule machen sollte) wäre ein Virus im gesamten Museums-Unternehmen
- Der derzeitige DCI-Digital-Roll-out scheint nicht unbedingt die Hoffnungen zu nähren, die auf eine Wiedergeburt des Repertoires, auf die Stärkung der Programmkino- und Verleihszene, auf Vielfalt der Programmsparten u.a. gerichtet sind, wie einst propagiert wurde. Tatsächlich ist es eine Marktbereinigung der Majors, und das Repertoire wie auch Spartenprogramme und Dokumentafilmfestivals werden es aus Gründen der verleihpolitischen Bedingungen in diesen Kinos genau so schwer haben wie zuvor
- Mittlerweile sind 4k-Projektionsgeräte in Rede, die in Kürze zu erschwinglicheren Preisen als 2k-DLP-Projektoren erwerbbar sind und möglicherweise in der Programmkinoszene Verbreitung finden könnten
- Die ständigen Auf-, Nach- und Umrüstspiralen der Digitalisierung arbeiten gegen die Lebensinteressen und Betriebsgewohnheiten des ortsbasierten Schaustellerbetriebes "Kino"
- Für die Durchführung von Dokumentarfilmfestivals mit Videoformaten genügen i.d.R. Leihbeamer vollauf
- Der geringe museale Etat für Ankäufe eines Museums sollte daher kinohistorisches Inventar ins Auge fassen, aber auch Produktions- und Kameratechnik berücksichtigen (so wurde kürzlich über eBay die erste 70mm-Kamera angeboten, eine Mitchell Fox-Grandeur von 1929)
- Ein Mehrsaalhaus (wie "Die Kurbel") liesse verschiedene altmuseale oder auch postmoderne und avantgardistische Konzept zu. Für diesen Zweck wären aber spezifische Räume herzurichten. Für Widescreen-Projektion eigente sich kein einziger. Ein Hin und Her der unterschiedlichen Medien und Filmbänder zwischen gleichförmigen Sälen (wie wir sie leider in einigen modernen Museumskinos erleben) wäre sogar zum Nachteil der Vielfalt und Differenzierung
- Es besteht durchaus ein Anspruch, mit photomechanischem Equipment Perfektion zu erreichen, die von modernster Digitalprojektion eben nicht zu schlagen wäre: dazu gehört auch das Tilgen peinlicher Mechanik-Fehler, wie wir sie hier wie dort erst kürzlich erlebten. Ein perfekter Filmbildstand ist keineswegs etwas Aussergewöhnliches, sondern die Mindestvoraussetzung für einen anbietbaren Spielbetrieb
- Ein Museum für Audiovsion ließe sich durchaus andocken! Erstens existiert es noch nicht in Berlin, und zweites wäre es durch räumliche/architektonische Trennung zum Kinomuseum begründet und sogar geboten. Ähnlich Bradford. (Allerdings bitte ohne Digitalprojektion von "How the West was won" - solche Kontaminierungen gilt es von vorneherein auszuschliessen).
- Dennoch ist an ein Grossprojekt nicht zu denken, denn die Betriebsnebenkosten des genannten Charlottenburger Kinos sind derzeit nicht einmal durch Mainstream-Versorgung zu decken.
Meiner Ansicht nach steht und fällt die Neueinrichtung eines Berliner Kinomuseums mit der Attraktivität der Immobilie und damit mit den finanziellen Möglichkeiten.
An den Hürden, sich eine Immobilie an die Backe zu kleben, sind schon Koryphäen wie Peter Stein und Irene Mössinger gescheitert. In Wedel (Holstein) hat sich für das im Entstehen befindliche Technicum-Museum dankenswerterweise die ehemalige Anamorphoten-Fabrik Möller zum Raum- und Mittelsponsoring entschlossen. So etwas sind Glücksfälle. Ob wir hier in Berlin glücklich werden, wird uns Fortuna sicherlich irgendwann mitteilen.
ATRIUM
Richtiges Leben im falschen in poetischer Strophenform
"Ich wollte Milch und bekam die Flasche, ich wollte Eltern und bekam Spielzeug, ich wollte lernen und bekam Zeugnisse, ich wollte Liebe und bekam Moral, ich wollte einen Beruf und bekam einen Job, ich wollte einen Sinn und bekam eine Karriere, ich wollte Glück und bekam Geld, ich wollte die Wahrheit und bekam Lügen, ich wollte Hoffnung und bekam Angst, ich wollte leben ... werde aber gelebt, doch ich bin "Gott sei Dank" aufgewacht!
Sie sagen, der Terrorismus muss bekämpft werden und produzieren ihn selber! Sie sagen, Atomwaffen müssen bekämpft werden und haben sie selber! Sie sagen, Diktaturen müssen bekämpft werden und sind selber eine! Sie sagen, Demokratie muss verbreitet werden und bauen sie bei sich ab! Sie sagen, sie wollen Frieden und verbreiten aber Krieg! Sie sagen, sie kämpfen für Menschenrechte und foltern ohne Reue! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!!!
Das wollen sie von dir: Hab Angst, glotz TV, konsumiere, gehorche, halt's Maul und träum weiter. Deshalb, sei mutig, schalte ab, verzichte, lehn dich auf, sag was und wach auf.
Politiker werden nicht eingesetzt um etwas zu verändern, ihre Aufgabe ist es im Namen der Macht den Status Quo zu erhalten.
Die welche aus Friedensliebe ihre Waffen in Pflugscharen verwandeln, werden für die pflügen, die es nicht gemacht haben.
Volksvertreter vertreten das Volk genau so wenig, wie Zitronenfalter Zitronen falten.
Sagt der Zentralbanker zum Medienfürsten, du hältst sie dumm, ich mach sie arm.
Die grösste Verschwörung seitens der Regierungen ist ihre Behauptung, es gebe keine Verschwörungen der Regierungen.
Die absurdeste 9/11 Verschwörungstheorie von allen, ist die offizielle Story der US-Regierung, dass ein kranker Bin Laden aus einer Höhle in Afghanistan mit seinen 19 Amateuren, die beste und teuerste Luftwaffe der Welt ausschaltete und Amerika angegriffen hat.
Wir leben in einer Zuschauerdemokratie, wir dürfen zuschauen was die Mächtigen machen.
Wenn man sich nicht für die Wahrheit interessiert, dann wird man zur Strafe von unfähigen korrupten Verbrechern regiert.
CO2 hat einen Anteil von nur 0.03% an der Atmosphäre (laut Wiki) und der Mensch trägt dazu nur 5% bei (laut UNO Klimabericht), also nur 0.0015%. Dieser winzige Anteil an der Luft soll das Klima verändern? Schwachsinn!!!
Die Behauptung der Klimahysteriker, das CO2 vom Menschen erwärmt das Klima, ist genau so absurd wie die Behauptung, wenn wir ins Meer pinkeln dann erwärmt sich der Ozean.
Die globale Elite produziert keine Werte, sie manipuliert und profitiert nur von den Werten welche wir alle produzieren.
Der letzte offizielle Akt einer jeden Regierung ist, die Nation auszuplündern."
Ich würde mal vermuten, da braut sich was zusammen...
Jedenfalls relevant genug, um Mathias Bröckers Blog in die Linkliste mit aufzunehmen.
ATRIUM
Manfred Salzgeber
Es vergingen ein paar Tage, bis mir die Zusammenhänge klar wurden.
Schließlich postete ich am 24.02. an anderer Stelle im Internet:
Wenn man sich die Biographie von Manfred Salzgeber bei Wikipedia mal näher unter dem Gesichtspunkt auch der Berliner Kinoevolution (Bali, Tali) durchliest
http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber
dann wundert man sich zum einen, warum sein Leben noch nicht als Bio-Pic verfilmt wurde (sei es als Doku mit den noch lebenden Zeitzeugen wie deHadeln, Speck, Schoeller -- oder wie bei "Milk" als Doku-Fiction).
Abgesehen davon wurde mir zum anderen wieder deutlich, dass das "Forum" sich einst als Gegenfestival zur Berlinale gegründet hatte (bevor es vereinnahmt wurde und nunmehr fast bedeutungslos ist).
In dieser Geschichte stecken jede Menge noch zu erzählende "Geschichten" und Lernhinweise für die Lage heute, wenn auch 30 - 40 Jahre später unter komplett anderen Kontexten.
Aufgrund dessen antwortete Mr. Cinerama auf meine Idee an anderer Stelle im Internet wie folgt:
Die Pionierleistungen des Manfred S. in der Profilschärfung der Berliner Off-Kinobewegung müssen hoch geachtet werden, zumal er der "Sozialdemokratisierung" etwa der Arsenalianer auf dem Öffentlichen Parkett durch Radikalisierung seiner Polit-Programme im 'BALI' entgegentrat, die jenes Kino zum Magneten der Protestszene eben so machten wie ihn persönlich zur Zielscheibe ewiggstriger Zehlendorfer, die ihn daraufhin an bestimmte Ort wünschten (das Vokabular ist bekannt). S. war filmhistorisch enorm gebildet und nebenher auch ein Kenner der verschiedenen kinematographischen Format: eine der wenigen Altlinken ohne Scheuklappen vor den Erzeugnissen des amerikanischen Konservatismus - von Ford bis Dmytryk. Das unterscheidet ihn von sog. Linksliberalen, wie sie später unter der Ägide von HHP und WJ in der Stiftung Deutsche Kinemathek durch Fixierung auf rein biographische und humanistisch-fixierte Autorenkunst als das Gegenteil von "Kinowissenschaft" betrieben haben - was zum Fernsehmuseum nun führte.
Daraufhin fasste ich mir Mut und schrieb den noch lebenden (Alf Bold ist ja auch schon seit 1993 tot), den ehemaligen "näheren Zirkel" von Manfred Salzgeber mit einer Rundmail folgenden Textes an:
Gentlemen:
eine kleine Anfrage zum Thema "Bio-Pic Manfred Salzgeber".
Nicht nur der Erfolg von "Milk" legt es nahe: auch die junge Nachwuchsgeneration an Dokfilmern (Anfang der 1980er geboren) zeigt inzwischen fortgesetzt Interesse an Lebenswürdigungen jener vor 1995 "zu früh Verstorbenen", wie beispielsweise Matt Wolf in "Wild Combination" zu Arthur Russel. Auch wir haben im derzeitigen Sichtungsprozess für das Globians Doc Fest Berlin zwei neue Beispiele für die Würdigung dieser "zu früh Verstorbenen" durch die nachstrebende Dokfilmergeneration eingereicht bekommen.
Liest man nun die Kurzbiographie von Manfred Salzgeber bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber
so habe ich mich heute gefragt, warum es über Manfred Salzgeber eigentlich noch kein "Biopic" gibt, zumal viele der "Zeitzeugen" noch am Leben sind und vor Kamera berichten können. Als Ex-Stuttgarter reizt neben der "Politisierung des Privaten" zudem der Bogen von Stuttgart-Rohr/-Vaihingen über Amsterdam nach Berlin (West), das Verhältnis Buch/Film/Kino, die Gründungszeit der "Programmkinos" in West-Berlin und die Berlinale-Epoche "de Hadeln", überhaupt der westdeutsche Zeitbogen von 1961 - 1989.
Bevor ich mir jetzt weitere Gedanken mache, wollte ich mal in die Runde des "näheren Zirkels" fragen, ob hier vielleicht schon jemand dran arbeitet, arbeiten möchte und/oder wie eigentlich allgemeine "Stimmungslage" diesbezüglich ist.
Sollte ich damit bei jemanden ggf. "geschlossene Türen einrennen", bitte ich um Verständnis:
Durch die Festivalarbeit lernt man die "kreative Aggregation" statt des "stillen Brütens".
Besten Dank für Feedback im voraus!
Ich bin gespannt, was sich in dieser Sache entwickelt, denn Manfred Salzgeber ist einer der wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Berliner Entwicklungen. Das grundlegende Schisma zwischen "Kuratorium" und "Kinomachen", das für die gesamte Berliner Sitaution grundlegend ist, kann man mit der Aufarbeitung von Salzgebers Historie verständlich machen. Man könnte es freilich dadurch auch möglicherweise "heilen".
ATRIUM
Donnerstag, 26. Februar 2009
Internet verbrennt Energie
ATRIUM