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Samstag, 18. September 2010

Berliner Filmreihe mit 70-mm-Epen im Originalformat

Das Kinomuseum Berlin e.V. veranstaltet vom Oktober 2010 bis April 2011 eine große Retrospektive mit 70-mm-Epen im Orignalfilmformat und mit Original-Filmkopien (!) im Hause der Berliner "Astor Filmlounge" am Kurfürstendamm 225. Los geht es am 10.10.2010 mit einer Matinee um 10.30 h von "Spartacus" (USA 1960, OF, dt. UT, zum 50. Jahrestag der WP), gefolgt am 14.11.2010 (10.00 Uhr) von "Lawrence of Arabia" (GB 1962, OF). Weitere Informationen in Kürze auf der Website des Kinomuseum Berlin e.V. unter

http://kinomuseum-berlin.de

Aus dem Newsletter des Kinomuseum Berlin e.V.:


September 2010
Beginn der großen Filmreihe von Kinomuseum Berlin e.V. in der ASTOR FILMLOUNGE


Liebe Freunde der Kinematographie in Berlin, liebe Mitglieder,

wir laden ganz herzlich ein zur recht frühen Sonntagsmatinee im Kino ‚Astor Filmlounge’, Kurfürstendamm 225, 10789 Berlin. Deren Durchsetzung bedurfte einer enormen Vorplanung und Überzeugungsleistung, nachdem vor 3 Jahrzehnten das Filmrepertoire in den gewerblich gebundenen Kinos ein Ende fand (eine Ausnahme war die Reihe „Play it again“ im Delphi-Palast, die aber vor 10 Jahren eingestellt wurde).
Von immenser Herausforderung für das Kinomuseum ist zusätzlich die Findung eines künftigen Domizils, in dem kinematographische Forschungen und Führungen vorangebracht werden: anhand von Technologien, Architekturauswertungen, Filmformatexpertisen, Programmerforschungen oder stilbildenden Filmbandoriginal-Vorführungen. Wodurch endlich wieder die Ursprünge und Wirkungsmechanismen des Kinowesens in der Öffentlichkeit zu erhellen sind. Unsere Satzung spiegelt dies, wie wir hoffen, ausreichend wider.

Weder ein ausschließlicher Film- oder Videoclub, noch eine ausschließliche Technik-Universität oder reine Werkstatt, noch ein ausschließliches Filmtheorie- und Philosophie-Institut, noch ein ausschließliches Archiv aus Filmrollen oder Inventar usw. darf unser Kinomuseum sein – gleichwohl doch jede der genannten Disziplinen ein ganzes Leben ausfüllt und veredelt. Ich erinnere daran, dass die Berlin-Defizite daraus erwuchsen, dass die „verschiedenen“ Disziplinen sich auseinandergelebt hatten und auf Irrwege führten - ästhetische und humane Werte verfielen dabei. Der Gesamtkreislauf cinephiler Mühen, die sich im 20. Jahrhundert zentral in Kinostätten und Filmproduktionsbetrieben bündelte, bricht künftig noch rasanter auseinander.

Auch wenn für viele eine Kooperation mit heute veränderten Kinostätten oder Altfilmarchiven wie ein Kompromiss aussieht, sobald die Eindrücke von vor 20 oder 50 Jahren nicht perfekt „wiederholbar“ sind, so scheint doch die Totalverweigerung oder der Rückzug ins Private den Prozess des Verlustes an Kinoaura noch zu fördern. Wir möchten daher mit jedem ansprechenden Kinobetrieb, der trotz der heute drückenden Prioritäten, mit aktuellen Filmen Gewinne zu machen trotzdem unserem museal wirkendem Anspruch eine kleine Nische gewährt, loyal zusammenarbeiten im Interesse des Kinoerhalts und der Standorte.

Der Aufwand der Kino-Architekturausstellung und der 70mm-Filmreihe etwa im Kino ‚astor Filmlounge’ überschreitet die Kräfte eines noch jungen Vereins, ist völlig unterfinanziert und trotz unabstreitbarer Virtuosität nicht ausreichend publiziert. Das von uns Geleistete auf beiden Themenfeldern wäre allenfalls noch die Berlinale imstande zu finanzieren und zu dokumentieren. Die Themen konnten aber aufgrund der Sammlungen im Kinomuseum Berlin relativ günstig „aus dem Boden gestampft“ werden.

Wir möchten mit Euch über den Ist-Zustand unserer Projekte und Ziele einmal frei, ohne Zeitdruck und ganz unverblümt plaudern und dabei durch unser wachsendes Filmrollen- und Gerätelager führen – die goldene Basis unseres Museums. Zu diesem „Subotnik“ laden die Vorstandskollegen Uwe Borrmann und Joachim Kelsch in Kürze ein, die das Vereins-Event liebevoll vorbereiten. Und für die Vorführungen der Superfilme im ‚astor’ ist bei Vorzeigen des Mitgliedsausweises an der Kinokasse ein Rabatt von 2,- ausgehandelt worden. Kein Film sollte versäumt werden, da dieser Event nicht ohne weiteres wiederholbar ist…

+++

Montag, 8. Juni 2009

Breitbild-Computermonitore mit Formfaktor

Während sich heute der Email-Newsletter zum Thema "70mm und Cinerama" von Bill Lawrence darüber lustig macht, dass der Studio Daily Blog von Bryant Frazer mit Datum vom 4. Juni den angekündigten Breibild-Monitor von NEC mit der Typenbezeichnung NEC CRV43 im konkaven Cinerma-Formfaktor zeigt, rezensiert das heute neue CT-Magazin (Ausgabe 13/2009) des Heise-Verlags in seiner Druckausgabe den neuen 56"-Breitbildfernseher von Philips mit der Verkaufsbezeichnung "Philips Cinema 21:9", der sich des Formfaktors von CinemaScope annimmt, Zitat: "auch wenn die ursprüngliche Technik inzwischen nicht mehr in Gebrauch ist", gemeint ist ein Anamorphot. Von wegen....

ATRIUM

Donnerstag, 12. März 2009

Filmmuseum Frankfurt am Main schärft seine 70mm-Kompetenz

Das Filmmuseum Frankfurt hat einen Tag vor Start seiner Breitbildschau soeben die Website aufgepeppelt:
neben dem Dank an den Vorspieler, Deutsche Kinemathek, und den Hinweis auf deren Publikation ("Bigger than ...") werden die grundlegenden enzyklopädischen Kinoformat-Internetportale von Thomas Hauerslev und Martin Hart ausdrücklich empfohlen (die in Berlin keine Erwähnung wert waren).
Darüberhinaus liest man auch den Veranstaltungshinweis/Vorschau des Kooperationspartners 'Schauburg' aus Karlsruhe mit neuen Akzenten im Oktober und einige Filmbetrachtungen aus meiner Perspektive zu den Filmen "Playtime", "2001", "Ben-Hur" und "Lawrence of Arabia" - mit Rekurs auf die Filmtheoretiker, die seinerzeit der Überdehnung des Kinoformats Widerstand entgegensetzten (Letzteres bewusst schmucklos gehalten und auf PDF aufrufbar): http://www.deutschesfilmmuseum.de/pre/ft3.php?id=body&main=70mm&img=3img3&ass=1

Insgesamt schimmert ein Profil mit hoher Autonomie hindurch, die auf die Erfahrungen der 70mm-Main-Festivals seit 1988 aufbaut. Seit Wochen wurden kinotechnische Prüfungen und Justagen durchgeführt, die das historische Versprechen des 70mm-Verfahrens auf einen "rock steady"-Bildstand, eine randscharfe und kontrastreiche Projektion, eine unbeschnittene Aspect Ratio sowie auf die Güte penibel einzumessener Raumtöne jeglicher Coleur klar unter Beweis stellen.
An diesen Mindestvoraussetzungen war Berlin gescheitert: die kinotechnischen Zustände waren als desaströs zu bezeichnen und wurden trotz Warnungen im Vorfeld der Veranstaltungen offenbar billigend inkauf genommen.


CINERMA
Korrespondentenbericht aus Frankfurt am Main

Mittwoch, 11. März 2009

So finster die Stadt

Heute kam bei mir die Ausgabe 2.09 der schweizer Filmzeitschrift "Filmbulletin - Kino in Augenhöhe" an, die mir als gedrucktes Magazin des Kinos mit ihren reich bebilderten Filmbesprechungen und ihren Schwerpunkt-Themen sehr gut gefällt und so schön schweizerisch pragmatisch ist, was gleichbedeutend für mich ist wie: undogmatisch.

Erstaunt war ich über die schnelle Besprechung des Begleitbuchs zur diesjährigen Berlinale-Retrospektive durch Frank Arnold unter dem Titel "So finster die Stadt". Ja, das stimmt, Berlin ist zur Berlinale-Zeit stets ganz finster. Zu solcher Zeit ein Ort zum Davonlaufen oder zum zu Hause bleiben.

Bei dieser Besprechung sollten wir einmal etwas in die Tiefe gehen. Frank Arnold schreibt:

Mit finanziellen Engpässen hatte offenbar auch die diesjährige Berlinale-Retrospektive "70mm - Bigger than life" zu kämpfen, jedenfalls verriet Rainer Rother, der künstlerische Direktor des Berliner Filmmuseums, vor einer der Vorführungen, dass die Auswahl zumindest in einem Fall aufgrund einer 16mm-Kopie getroffen werden musste. Das Geld, um die Sichtung mithilfe der originalen 70mm-Kopien durchzuführen, war nicht vorhanden.


Als ich das gelesen hatte, habe ich schallend gelacht. Ich dachte, Mr. Cinerama hätte in seinem Beitrag von heute (weiter unten) etwas geflunkert. Aber anscheinend mitnichten. Wenn sich filmhistorische Arbeit in der Praxis nunmehr so darstellt, dass es nicht mehr darum geht, eine Vorsichtung dessen zu veranstalten, was man einem Publikum an Auswahl präsentieren möchte, sondern vielmehr darum, dass man die ehemalige branchenübliche Vertriebspraxis des "Block- und Blindbuchens" dahingehend restituiert, dass man preisgünstig Filmpakete eines US-Major-Studios blockweise und eben ohne Vorsichtung übernimmt, dann kann man dies immer noch dann ohne Gesichtsverlust tun, wenn man auch dazu steht und eben gerade dies, die Restitution von Vertriebsmodi, zum Thema macht.

Ich möchte nicht mißverstanden werden: Es ist keine Schande über wenig oder nur einen geringfügigen Etat zu verfügen. Und es ist erst recht keine Schande, aus einem mäßigen Budget nach dem Maximalprinzip das Maximum an Effekt erzielen zu wollen. Und zum Dritten ist es schon gar nicht verwerflich, ein kleines und überschauliches Projekt zu präsentieren, wenn die finanziellen Mittel für Gigantomanie nicht ausreichen.

Das Ganze wird nur dann ein Problem, wenn einem das Marketing-Prinzip des "Kaisers von China" verrutscht und es dann nur noch um des "Kaisers neue Kleider" geht, heißt: Man kann den Kaiser von China mit seinem kaiserlichen Filmformat gerne zu Gast einladen und aus dem Staatsbesuch ein Volksfest kredenzen. Wenn man dann allerdings statt der kaiserlichen Instrumente nur Pappteller parat hat, die man mit Porzellan-Farbe anzustreichen versucht, dann wird das irgendwann mehr oder weniger schnell die fachkundige Entourage des kaiserlichen Hofs und auch das gemeine Volk vor Ort merken. Dann gibt es die Variante, dass die einfacheren Naturen den Schluss daraus ziehen, dass der Kaiser von China eben doch auch nur von Papptellern ißt und dass dieses sagenhafte Porzellan aus dem sagenhaften Mythenreich, was jeder gerne mal mit den eigenen Finger taktil erkunden möchte, auch nur was ganz Gewöhnliches sei. Und dann gibt es noch die Variante, dass sich die einheimischen Porzellanbrenner fachkundig über die präsentierte Mogelpackung und den geleisteten Bärendienst in ihren Depeschendiensten austauschen.

Jetzt zur Publikation, Frank Arnold schreibt weiter:

Das schlägt sich im Begleitbuch insofern nieder, als eine Würdigung dieses Formats, die über das Technische hinausgeht, unterbleibt. Das mag in dieser Weise konsequent sein, denn über die 70mm-Ästhetik anhand von DVD-Editionen zu reden, hat etwas Fragwürdiges. So ist die Publikation vorrangig ein Kompendium, im dem es um die Entwicklung der Technik geht, um die verschiedenen Formate zwischen Todd-AO, Dimension 150 und Ultra-Panavision 70. Die beschreibt Gert Koshofer auf 22 Seiten, die in Anbetracht dieser Materie eher wie eine Skizze wirken. Manches hätte man wirklich gern ausführlicher dargestellt gesehen, etwa, wie es für "Flying Clipper - Traumreise unter weißen Segeln" (1962) zur Entwicklung eines eigenständigen deutschen Systems MCS 70, kam. (...) Bleibt zu hoffen, dass die Seh-Erfahrung bei der Retrospektive sich in einigen adäquaten Texten niederschlagen werden, denn – das wurde deutlich – 70mm ist "mehr als bloss eine Format-Bezeichnung" (Rainer Rother).


Kann ich nur sagen: Arme Autoren, denen von den Herausgebern, Kuratoren und Verlegern nicht genügend Zeit und Raum für ihre Darstellungen und ihre Recherchen einschließlich beurteilender Bewertungen zur Verfügung gestellt wurden. Gert Koshofer ist, was Fachwissen im Bereich der Farbfilmgeschichte angeht, sicherlich unschlagbar. Die Hardcover-Publikation liegt mir vor; ich finde, das Druckhaus Köthen hat einen wunderbaren Produktionsjob gemacht und vom Materialwert des Buches sind €22 ein (subventionierter) Schnäppchenpreis. Bei mir hätte das Buch, komplett abgesehen vom Inhalt, mindestens das Fünffache im Einzelverkaufspreis kosten müssen. Seien wir also froh, dass es wieder eine deutschsprachige Buchpublikation in diesem Themenkreis gibt und das zu diesem Preis. Andererseits ist es für einen Verleger von Filmfachbüchern dann doch erschreckend, wie viele Filmbücher in den Filmbuchverlagen an Lahn, Spree und Bodensee letztlich von der Quersubventionierung leben, leben müssen. Im übrigen widmete sich auch die erste Ausgabe der Weltwunder der Kinematographie von 1994 dem Thema "Geschichte des 70mm-Films" auf 22 Seiten, welcher Zufall! Man sollte die kaballistische Bedeutung der 22 bezogen auf die 65 und die 70 einmal näher betrachten.

Es bleibt das Desiderat einer ausführlichen inhaltlichen und qualifizierten Bewertung dieser Epoche des Kinos einschließlich einer heutigen Bewertung der Filme in ihrem damaligen sozio-kulturell-ökonomischen Umfeld. Dabei bleibt jedoch problematisch, die bei der Berlinale vorgefundene Rezeptionserfahrung in Texte umsetzen zu wollen - so wie dies Frank Arnold einfordert -, wenn die eingesetzten Projektions-Vorlagen als "Originale" und die technischen Einrichtungen ebenfalls als "Original" vorausgesetzt werden. Die Dinge sind hier komplizierter, weil zum Teil fragwürdige Umkopierungen und Restaurierungen durchgeführt worden sind; diese rühren nun daher, dass der ganze 70mm-Hype letztlich ein Abfall-Produkt filmischer Rekonstuktionen, speziell gezielt auf Silberscheiben-Produkte für den Heimabsatzmarkt, ist. Bei den erheblichen Kosten für den "Saubermachprozess" von Kopiervorlagen und Negativen kann man ja mal eine 70-mm-Kopie versuchsweise ziehen, die man notfalls auch zum elektronischen Color-Matching im Digital-Intermediate-Prozess mit einbeziehen kann. Gemessen an traditionellen Kopierwerksstandards hat man es dann dabei mit einer Nullkopie zu tun, also etwas, was man normalerweise keinem Publikum zumuten möchte, in Berlin aber als das Non-Plus-Ultra verkauft wurde. Allein schon dieser Umstand macht die Spannweite der übergangenen Problematik deutlich, von der Abschaffung des Magnettons, dem Nichtvorhandensein von adäquat klingenden Magnettonvorverstärkern mal ganz abgesehen und der Tatsache, dass eine Todd-AO-Leinwand eben anders aussieht als in den Kinosupermärkten, etc, etc...

Ergo: Wir dürfen also noch auf jeweils ein Opus Magnum der Geschichte des Breitwandkinos im Allgemeinen und der des 70mm-Films im Besondern hoffen, geschrieben von Rick Mitchell (auf Englisch) und von Mr. Cinerama (auf Deutsch), und hoffentlich innerhalb der nächsten 15 Jahre, wenn es dann noch Fachbücher auf Papier geben sollte.

ATRIUM

Freitag, 6. März 2009

Fortschritte und Rückschritte in der Kinotechnik

Es ist sehr zu hoffen, dass Rick Mitchell seine "Geschichte der Kinotechnik" unter besonderer Berücksichtung der Sonder- und "Sahnetorten"-Konzeptionen des Kinos bald in Buchform vorlegen wird. Einstweilen dürfen wir uns aus aktuellem Anlass mit seinem (leider kostenpflichtigen) Artikel The tragedy of 3-D cinema und mit einem kostengünstigen Interview in Vorfreude üben.

ATRIUM