critic.de wandelt sich seit einigen Monaten zu einer wirklich lesenswerten und vor allen Dingen extrem relevanten Website zum Kinodiskurs, gerade weil nun der Blick auch auf TV-Präsenz und weitere Medienverbreitungswege der Kinowerke gelegt wird.
Besonders lesenswert fand ich das am 09. Mai veröffentliche Gespräch des critic.de Herausgebers Frédéric Jaeger mit dem Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage Lars Henrik Gass über "Kino-Migrationen", geführt wohl aus aktuellem Anlass der Kurzfilmtage wie auch dem Anlass der jüngsten Buchveröffentlichung "Film und Kunst nach dem Kino" von Gass als Autor.
Die Frage nach dem Ort der Kinowerke "nach dem Kino" ist derzeit im Thema die am spannensten zu stellende.
Der Text findet sich hier:
http://www.critic.de/interview/immer-spaeter-und-irgendwann-gar-nicht-mehr-3672/
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Samstag, 18. Mai 2013
Montag, 2. April 2012
2012: 50 Jahre Oberhausener Manifest = 30 Jahre R.W. Fassbinder tot = 30 Jahre Romy Schneider tot = Deutschlandfunk im Stimmwechsel
Romy Schneider und Rainer Werner Fassbinder liegen 12 Tage auseinander, in ihren Todestagen im Spätfrühling des Jahres 1982. Sie verbindet, dass sich mit ihnen jeweils eine eigene Epoche der Spielfilmgeschichte dem Ende zuneigte, mehr noch: sie durch ihren Tod abgeschlossen wurde. Die Nähe in den Sterbedaten kommt nicht zufällig, sondern bereitet Künftiges vor: Bei Antonioni und Bergmann war es derselbe Tag; letztes Jahr war es mit Hirsch, Kreisler und Degenhardt nicht viel anders: eine Kulturgeschichte der gemeinsam Gestorbenen für die Verwirklichungen in der zukünftigen Präsenz.
Der Neue Deutsche Film, der durch RWF vor allem ein Junger Deutscher Film war, verlor seinen Zentaldynamo, den zentralen Antrieb und Transmissionsriemen; die deutsch-französische Doppelikone Romy Schneider beendete das Zeitalter der bundesdeutschen Filmschmonzette wie auch die des französischen Nachkriegsfilms. "DIVA" war hinfort die neue Ikone der postmodernen Schicklichkeit. An der Unfähigkeit, statt im eigenen Saft der piefigen "Family" notdürftige Schauspielerinnen zu "Stars" machen zu wollen, auf eigene film-geschichtliche Substanz mit Belastungen wie das Haus Schneider rückzugreifen und sich so Terrain beim Publikum zu sichern, ist kaum jemand der deutschen Jungfilmer gekommen.
So war es Bertrand Tavernier 1980 mit "Death Watch" gelungen, nicht nur das Leiden der Katherine Mortenhoe als Hereinbrechen der Mediengesellschaft in das persönliche, private und intime Schicksal hellsichtig als Schau der Zukunft schon in der Gegenwart, für uns heute, zu behandeln, sondern konnte in dieser deutsch-französischen Ko-Produktion, die bezeichnenderweise in einem dunkel-düsteren Glasgow ihren Schauplatz fand, neben Romy Schneider, Harvey Keitel und Harry Dean Stanton auch May von Sydow, Bernhard Wicki und Vadim Glowna besetzen. Vadim Glowna ist dieses Jahr gestorben. Als ich den Film 1980 in blickweitendem CinemaScope-Format sah, Wohlrabe brachte ihn mit seinem Jugendfilm-Verleih in die deutschen Kinos, hat er auf mich einen tiefen und düsteren Eindruck hinterlassen, was die unmittelbar bevorstehenden 1980er-Jahre betraf. Und düster und im Zeitgeschmack ohnesolchen waren sie dann auch – und verlustreich. Diese Dystopie verbindet sich mit der von der Fassbinder-Foundation jüngst herausgebrachte Filmedition von "Welt am Draht"; "Death Watch" und "Welt am Draht" sind beides Dystopien für eine aufkommende Zeit, der die Totalvernetzung und Omnimedialisierung drohte. Der Reflex auf Btx und Volkszählung war Anfang der 1980er heftig und noch ganz elementar.
"Death Watch" verbindet mit "Querelle", RWFs letztem Film, dass man beide Werke derzeit nicht in deutschen Videoeditionen (DVD, BD oder Online) beziehen kann, wohl aber – wiederum bezeichnend – in französischen Fassungen und Editionen. "Death Watch" war eine ZDF-Koproduktion; so bleibt verwunderlich, dass keines der vielen deutschen Indy-Labels sich dieses Films editorisch annehmen möchte.
Gespannt freilich darf man sein, wie Fassbinders bevorstehender 30. Todestag sein Echo in den Medien finden wird. Hans-Günther Pflaums fernsehdokumentarische Würdigung "Ich will nicht nur, dass ihr mich liebt" von 1992 stand noch ganz unter dem Schock der Verlusts; Rosa von Praunheims Würdigung aus dem Jahr 2000 zum 20. Todestag 2002 brachte den sozialen Kontext von RWFs Kunstfilmproduktion (und eben dessen Verlust) ins Gedächtnis. Umrangt wurde der 20. Todestag 2002 mit reichen TV-Retrospektiven auf ARTE, 3SAT und VOX begangen. Peter Berlings DCTP-Gespräch mit Alexander Kluge (Sendedatum 21.06.2002, VOX) zu den unverwirklichten Projekten des RWF macht weiterhin Neugier auf zu hebende Filmprojekt-Schätze, wie sich die Theaterstücke des RWF ja auch in anderen Kontexten wiederaufführen lassen. Kaum eine der TV-Dokumentationen zu RWF kommt freilich ohne Zitate von Peter W. Jansens TV-Interview mit RWF unter dem Motto der "Lebensläufe" aus dem Jahr 1978 aus. Peter W. Jansen befragte zur Berlinale-Retrospektive 2002 in einem Live-Gespräch vor Publikum zu den "European 60s" Edgar Reitz, warum es als Unterzeichner des "Oberausener Manifests" nicht möglich war, als damaliger Jungfilmer mit einem Siodmak oder mit einem Käutner anzuknüpfen. Nach einer Liste der bemerkenswerten Filme aus 1959 bis 1961 Jansens Frage: "Waren die Filme damals wirklich alle so schlecht?" – Schisma und Bruch als das verbindende kunstschaffende Element, eine deutsche Eigenart.
Praunheim machte sich in seiner erinnernden Ehrerbietung an RWF von 2000 auch an den ahnungslosen Passanten in einer Straßenumfrage heran: "Sagt Ihnen der Name Fassbinder etwas?" Der Passant verwechselte freilich den Namen Fassbinder mit einem österreichischen Koch.
Das kam mir in den Sinn, als mir seit Jahresbeginn beim Programmhören die vielen neuen, jungen Stimmen der Radiomoderatoren und Rundfunkjournalisten im Deutschlandfunk auffielen -- seit dem Wechsel der Programmdirektion und Chefredaktion im Hause DLF. Diese jungen Radioleute machen ihren Job alle sehr gelernt und gekonnt, doch fehlt ihnen für so viel Kanal-Seriosität in ihrer neuen forcierten Massigkeit leider die Erfahrenheit in der Stimmlichkeit bei aller ebenfalls gekonnten Stimmtechnik: die Sonorität, die entsprechende Tönernheit der gelebten Erfahrung in der Stimme. Ich stelle mir gerade vor, was sie, die 1980 bis 1985 Geborenen, zum Thema "Sagt Ihnen der Name Fassbinder noch etwas?" zu sagen hätten.
So ändern sich die Zeitperspektiven in den Kinoperspektiven.
+++
Sonntag, 4. März 2012
Die Kanonisierung einer Wortkanone: 50 Jahre Oberhausener Manifest
50. Jahrestag des "Oberhausener Manifests"
Offizielle Website URL zum Jubiläum:
http://www.oberhausener-manifest.com
Dortiges Verzeichnis der Medienveröffentlichungen zum Jubiläum:
http://www.oberhausener-manifest.com/manifest-in-den-medien/
Insbesondere:
http://www.tagesspiegel.de/kultur/film-die-freiheit-die-sie-meinten/6256438.html
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2012%2F02%2F25%2Fa0041&cHash=24a120fd18
http://www1.wdr.de/themen/kultur/oberhausenermanifest100.html
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1688839/
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/kultur/article13896489/Es-ist-Zeit-fuer-ein-neues-Manifest.html
Wenn man den Pressespiegel zum 50. Jahrestag des Oberhausener Manifests auswertet und zumal den Gregor-Text im Tagesspiegel kritisch gegenbürstet, dann sollte man sich vergegenwärtigen, dass an der hier weiter betriebenen Kanonisierung (d.h., der Bestätigung des bereits Bekannten und Festgestellten) auch wesentlich der Umstand beteiligt ist, dass wichtige Protagonisten wie Kluge, Reitz, Gregor und Patalas noch (Gott sei dank) unter uns sind, allesamt um die oder über 80 Lebensjahre alt -- und heute rückblickend auf 50 Jahre westdeutsche Kultur-Nachkriegsgeschichte noch persönlich, biographisch und authentisch Zeugnis ablegen können.
Was durch diese Kanonisierung allerdings unter den Tisch geworfen wird, ist die Tatsache, dass das westdeutsche Kino der 1950er- und 1960er-Jahre nicht so ausschließlich und hermetisch "Heimatfilm"- & "Schnulzen"-monopolistisch war, wie es die Beteiligten, die damals den Markt an Förderungen für Autorenfilme aufrollten, es gerne gehabt hätten und es heute noch so gerne hätten, wenn man deren derzeitigen Verlautbarungen folgt. — Gerade die Programme des Berliner Zeughaus-Kinos belegen in den letzten Jahren, wie vielschichtig, ästhetisch anspruchsvoll und auch kritisch die westdeutsche Spielfilmproduktion in diesem Zeitabschnitt AUCH gewesen war. Und damit sind nicht nur die Filme von Georg Tressler gemeint. Die Auflistung dieser Pluralität im Historischen widerspricht der subjektiven Wahrnehmung der damaligen Zeit, die im Jubiläumsjahr nach oben an die Oberfläche wieder drängt, anscheinend diametral.
Mithin waren die "Obermünchhausener" vielmehr Teil einer damals umfassend einsetzenden Auseinandersetzung der Söhne mit ihren Vätern, die dann in den Studentenprotesten der 60er-Jahre jene Lebensstilrevolution herbeiführte, die in den 70ern kulturell sozialisiert und distribuiert wurde, dann auch auf dem Gebiet der Spielfilmproduktion und ihrer Widerspiegelung im westdeutschen Feuilleton sichtbar und für eine kurze Zeit in der Symbiose aus internationaler Festivalpräsenz und nationaler Publizistik auch fruchtbar wurde.
Interessant insgesamt dann doch das neue Fassbinder-Bashing z.B. durch Berling (in seinem Biographie-Roman), aber auch letztens durch Kluge (beim 80.) und - man staunte - durch Ballhaus (im ZDF-Nachtstudio zur Berlinale). Das ist insofern von Relevanz, als der Tod Fassbinders 1982 als das offizielle Ende des Jungen Deutschen Films gilt, der mit dem Oberhausener Manifest seinen Geburtstag terminierte.
Wieviel insgesamt vom "Jungen Deutschen Film" also auch in Wiederausgrabungen nach 30 bis 40 Jahren noch für wertvoll und wieder-ansehnlich gehalten wird, dürfte nicht viel sein. Gregors Bemerkung zum Wert einer Wiederausgrabung und Neuvorstellung der Kurzfilme, zeitlich um das Oberhausener Manifest herum, spricht da nicht dagegen. Es mag sein, dass sich in den frühen Experimentalfilmen eher Klassikergefühle einstellen mögen als danach, zumal ja jedem Anfang ein Zauber innewohnt und Susan Sontags Diktum, dass sich alles alte Fotografische in nostalgische Gefühle (und damit in Kunst) verwandelt, eben auch die etwas seltsamen Alltagsrezeptionen des Neuen Deutschen Films der damaligen Zeit zunehmend mit einschließt.
+++
Update 16.03.2012:
Das Berliner Zeughaus-Kino legt aus aktuellem Anlass nach und zeigt im April 2012 mehr und wieder einen Programmblock zum Thema "Papas Kino" am Ende der 1950er- und zu Beginn der 1960er-Jahre:
http://www.dhm.de/kino/papas_kino_2012_april_mai.html
Zitat des Einleitungstextes aus der Programmankündigung:
"Am 28. Februar 1962 verlas der Regisseur Ferdinand Khittl in einer Pressekonferenz der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage eine Erklärung, in der der Anspruch erhoben wurde, den neuen deutschen Spielfilm zu schaffen, und die mit den Sätzen endete: "Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen". Die von der Presse als "Oberhausener Gruppe" bezeichneten Unterzeichner des Manifests hatten ihr Pressegespräch unter den Titel "Papas Kino ist tot!" gestellt, denn für die beabsichtigte Erneuerung des westdeutschen Films glaubte die Gruppe in der Generation ihrer Väter keine Vorbilder und Mitstreiter ausfindig machen zu können. "Papas Kino", das war das herkömmliche, veraltete, eskapistische und anspruchslose Kino, das Kino der Langeweiler und Routiniers. Anlässlich des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des Oberhausener Manifests unterzieht die Reihe PAPAS KINO? das westdeutsche Kino am Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre einer Prüfung. Handelt es sich wirklich um ein Kino der Uninspirierten und Unengagierten? Fanden sich unter den "Alten" tatsächlich keine Filmkünstler, die hätten helfen können, den "Jungen deutschen Film" aus der Taufe zu heben? Fehlte dem deutschen Kino jeglicher frische Wind? War Papas Kino tot?"
Filmliste:
• Flucht nach Berlin
BRD 1960, R/B/P/Sch: Will Tremper, K: Günter Haase, Gerd von Bonin, D: Christian Doermer, Susanne Korda, Narciss Sokatscheff, 104' 35 mm
• Nasser Asphalt
BRD 1958, R: Frank Wysbar, P: Wenzel Lüdecke, B: Will Tremper, K: Helmut Ashley, D: Horst Buchholz, Martin Held, Maria Perschy, Gert Fröbe, 88' 35 mm
• Das Totenschiff
BRD/MEX 1959, R: Georg Tressler, B: nach dem Roman von B. Traven, K: Heinz Pehlke, D: Horst Buchholz, Mario Adorf, Helmut Schmid, Elke Sommer, 98' 35 mm
• Mein Vater, der Schauspieler
BRD 1956, R: Robert Siodmak, P: Artur Brauner, K: Kurt Hasse, D: O.W. Fischer, Hilde Krahl, Oliver Grimm, 106' 35 mm
• Am Tag als der Regen kam
BRD 1959, R: Gerd Oswald, P: Artur Brauner, B: Heinz Oskar Wuttig, Gerd Oswald, Will Berthold, K: Karl Löb, M: Martin Böttcher, D: Mario Adorf, Christian Wolff, Gerd Fröbe, Corny Collins, Elke Sommer, 89' 35 mm
• Die Zeit der Schuldlosen
BRD 1964, R: Thomas Fantl, B: T. Fantl nach dem Theaterstück von Siegfried Lenz, P: Peter Carsten, K: Georg Krause, D: Erik Schumann, Peter Pasetti, Wolfgang Kieling, 95' 35 mm
• Herrenpartie
BRD/YU 1964, R: Wolfgang Staudte, B: Werner Jörg Lüddecke, D: Hans Nielsen, Götz George, Gerlach Fiedler, Rudolf Platte, 92' 35 mm
• Warum sind sie gegen uns?
BRD 1958, R: Bernhard Wicki, B: Kurt Joachim Fischer, K: Gerd von Bonin, D: Ingrid Resch, Thomas Braut, 64' 35 mm
• Die Halbstarken
BRD 1956, R: Georg Tressler, P: Wenzel Lüdecke, B: Will Tremper, K: Heinz Pehlke, D: Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, 97' 35 mm
•Die Rote / La rossa
BRD/I 1962, R: Helmut Käutner, B: Helmut Käutner nach dem Roman Die Rote (1960) von Alfred Andersch, K: Otello Martelli, D: Ruth Leuwerik, Rossano Brazzi, Gert Fröbe, Harry Meyen, Giorgio Albertazzi, 94' 35 mm
• München – Tagebuch eines Studenten
BRD 1962, R/B: Roland Klick, Rolf G. Schünzel, Jochen Cerhak, P: Rolf G. Schünzel, K/Sch: Roland Klick, 60' 16 mm
• Nachts, wenn der Teufel kam
BRD 1957, R: Robert Siodmak, B: Werner Jörg Lüddecke nach einem Illustriertenroman von Will Berthold, K: Georg Krause, D: Mario Adorf, Claus Holm, Hannes Messemer, Peter Carsten, 99' 35 mm
• Himmel ohne Sterne
BRD 1955, R/B: Helmut Käutner, P: Harald Braun, K: Kurt Haase, D: Erik Schumann, Eva Kotthaus, Georg Thomalla, Horst Buchholz, 108' 35 mm
• Das Wunder des Malachias
(Reihe Wiederentdeckt)
BRD 1961, R: Bernhard Wicki, D: Horst Bollmann, Karin Hübner, Günter Pfitzmann, Brigitte Grothum, Senta Berger, Loriot, 126' 35 mm
Ein Wiedersehen mit 'Skandal in der Botschaft' R: Erik Ode
http://www.imdb.com/title/tt0042973/fullcredits
hätte ich mir ebenfalls gewünscht, gerade weil der Film von 1950 als Übergang von der direkten Nachkriegs- und Besatzungszeit in die bundesrepublikanische Filmproduktion Scharniercharakter zeigt.
Weitere Filmtitel zum Thema siehe unter
http://kinoberlin.blogspot.com/2009/05/1959-eine-reise-zum-gravitations.html
in meinem Blogbeitrag:
"1959: Eine Reise zum Gravitations-Mittelpunkt des Kinos"
in Kapitel VIII. "Lufthohheit über Westdeutschland"
Der Münchener Film-Historiker Hans Schmid hat zudem kürzlich zwei höchst interessante Beiträge bei Telepolis zum "Subversiven Arztfilm der 1950er-Jahre" veröffentlicht:
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36114/1.html
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36115/1.html
unter besonderer Berücksichtigung von 'Der Verlorene', 'Arzt ohne Gewissen' und 'Des Satans nackte Sklavin' (aka 'Die Nackte und der Satan') als Gegenströmung zu 'Dr. Holl', 'Sauerbruch', 'El Hakim' oder 'Der Arzt von Stalingrad' sowie mit einem Hinweis zum "filmischen Vorleben" des Produzenten Wolf C. Hartwig mit dem Leiser-"Mein-Kampf"-Kompilations-Vorläufer 'Bis 5 nach 12'.
Es gibt in "Papas Kino" unserer Großväter und Ur-Großväter viel zu entdecken, wenn man sich nur über die Kanonisierung unserer Geschichtsschreibung hinweg setzt.
+++
Sonntag, 10. Mai 2009
Tagungsbericht aus Oberhausen
Copyright oder Urheberrecht
Obwohl Telepolis, wie mir Florian Rötzer immer wieder versichert, eigentlich ja keine Tagungsberichte bringt, hat es nun doch einer zu dieser in Deutschland einflussreichsten Website als Nachrichtenmagazin geschafft: Rüdiger Suchslands Bericht zu einer Tagung anlässlich der jüngsten Oberhausener Kurzfilmtage. Suchslands Tagungsbericht trägt den Titel: "Copyright ist kein natürliches Recht".
Meiner Ansicht nach läßt sich der Konflikt zwischen technischem Fortschritt und Bedürfnissen der einzelnen (Film)künstler und Kulturschaffenden nicht mehr aus den jeweils gerade herrschenden Rechtscontainern lösen. Die Lösung, wenn es denn eine geben wird, wird gesellschaftlich überbauen müssen, gerade wenn die ökonomische Grundlage der fortgeschrittenen Industriegesellschaften zusammenbricht, woran ja eifrig gerade gearbeitet wird.
ATRIUM
Meiner Ansicht nach läßt sich der Konflikt zwischen technischem Fortschritt und Bedürfnissen der einzelnen (Film)künstler und Kulturschaffenden nicht mehr aus den jeweils gerade herrschenden Rechtscontainern lösen. Die Lösung, wenn es denn eine geben wird, wird gesellschaftlich überbauen müssen, gerade wenn die ökonomische Grundlage der fortgeschrittenen Industriegesellschaften zusammenbricht, woran ja eifrig gerade gearbeitet wird.
ATRIUM
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Samstag, 25. April 2009
Die Zukunft der Filmfestivals
Als Festivalmacher des Globians Doc Fest Berlin hat mir der Themenschwerpunkt "Die Zukunft der Filmfestivals" mit Debatten einer Reihe von Festivalmachern in Ausgabe #54 // 02.2009 des Filmmagazins "Der Schnitt" vom 15. April sehr gefallen und mich zur gedanklichen Auseinandersetzung mit den dort versammelten Thesen von elf Festivalmachern angeregt. Insbesondere Adam Pughs Forderung nach einem "Zurück zum menschlichen Maßstab" in Fragen der Festivalskalierung fand ich sehr nachvollziehbar, verbunden mit einer von ihm, als dem Kurator des Aurora Festivals von Norwich UK, geforderten Fürsprecherfunktion für Werke und Filmemacher, durchgeführt in kleinen und flexiblen Unternehmungs-Entitäten, um "temporäre Gemeinschaften" hervorzubringen.
Obwohl ich Lars Henrik Gass als Kurator der Kurzfilmtage Oberhausen und seinen Thesen im Vielem nicht zustimmen mag, insbesondere seinem Ruf nach noch erweiterter öffentlicher Umverteilung bei mittlerweile zu groß geratenen Festivalentitäten, kann ich seine Auffassung aber dahingehend nachvollziehen, wenn er schreibt: "Das Kino wird nur als Museum überleben können, als ein Museum aber, wie wir es noch nicht kennen" und zwar als "ein Ort mit technischen, sozialen und kulturellen Sonderbedingungen". Darüber hinaus sollen in Gass' Lesart Filmfestivals zu einer markengestützten Produktgruppe sich erweitern: "Filmfestivals müssen lernen, die Beschränkung auf Ort und Zeit zu überwinden; sie müssen Bücher und DVDs machen, Partys und Konferenzen, sie müssen das bessere Fernsehen sein und die bessere Universität."
Einerseits also weg vom Markt und hin Marke, andererseits aber im Modus Operandi der Festivaldurchführung das menschliche Maß fest im Blick zu behalten, wenn es um die Bildung eines Forums und von Netzwerken in den Zwischenstufen zwischen Publikum und Filmemachern geht.
"Der Schnitt" beweist mit diesem Themenspezial, dass er neben dem schweizer "Film-Bulletin" als zweite gewichtige Stimme der Filmpublizistik auf dem Gebiet der Filmperiodika im deutschsprachigen Raum bestehen kann.
ATRIUM
Obwohl ich Lars Henrik Gass als Kurator der Kurzfilmtage Oberhausen und seinen Thesen im Vielem nicht zustimmen mag, insbesondere seinem Ruf nach noch erweiterter öffentlicher Umverteilung bei mittlerweile zu groß geratenen Festivalentitäten, kann ich seine Auffassung aber dahingehend nachvollziehen, wenn er schreibt: "Das Kino wird nur als Museum überleben können, als ein Museum aber, wie wir es noch nicht kennen" und zwar als "ein Ort mit technischen, sozialen und kulturellen Sonderbedingungen". Darüber hinaus sollen in Gass' Lesart Filmfestivals zu einer markengestützten Produktgruppe sich erweitern: "Filmfestivals müssen lernen, die Beschränkung auf Ort und Zeit zu überwinden; sie müssen Bücher und DVDs machen, Partys und Konferenzen, sie müssen das bessere Fernsehen sein und die bessere Universität."
Einerseits also weg vom Markt und hin Marke, andererseits aber im Modus Operandi der Festivaldurchführung das menschliche Maß fest im Blick zu behalten, wenn es um die Bildung eines Forums und von Netzwerken in den Zwischenstufen zwischen Publikum und Filmemachern geht.
"Der Schnitt" beweist mit diesem Themenspezial, dass er neben dem schweizer "Film-Bulletin" als zweite gewichtige Stimme der Filmpublizistik auf dem Gebiet der Filmperiodika im deutschsprachigen Raum bestehen kann.
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