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Sonntag, 20. Februar 2011

Manfred Salzgeber — biography and bio-doc still missing

Egbert Hörmann's brief hommage article on Manfred Salzgeber is an interesting read from Berlinale's Teddy Award journal at its 25th anniversary run. However it reminds me urgently that an in-depth and detailed written biography on Manfred Salzgeber is still missing after all these years. Manfred Salzgeber was one of the outmost inspirators of its time for bringing German cinema culture, festival curatorship and film publishing to new horizons.

Indeed he was bringing "the salt" into a still grey everyday life soup of Stuttgart and Berlin during the 1960s and 1970s -- before becomming internationally known and renowned as the sidekick of the Berlinale and Moritz de Hadeln during the 1980s in his own right.

Two years ago I publicly questioned that a bio-doc (or even bio-doc series regarding all things considered) on Manfred Salzgeber and on his life, work and influence until today is also still missing sadly:
http://kinoberlin.blogspot.com/2009/02/manfred-salzgeber.html

The reactions after my call made it clear to me that there seems to be a sort of local conflict in multiple perspectives and consisting of several different interest parties involved: the hiers, their inheritance, the remaining artefacts and their legal rights, the commercial continuation of Salzgeber's film distribution, the Berlin International Film Festival and its sudden interest in current Kiezkino but not in their own history track, the Panorama section with the successor of M.S., the Teddy Awards merchandize and now the forthcoming Teddy Academy, plus local Public Radio Television with their archives, licensing strategies and program policies.

So, unfortunatly, it seems continiously that it might not be a comfortable choice to be right in the middle of such an intense conflict of interests with such mighty powerful parties. However this strugge for a Salzgeber biopic becoming real might be a doc (or even a feature movie) in itself, on the Berlin 'Hauptstadtgefühl' with this everlasting presence of the present while neglecting history.


http://www.berlinale.de/de/archiv/archiv_biografien/Biografie_Salzgeber.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber
http://www.amazon.de/gp/product/392679660X/


JP

Sonntag, 24. Mai 2009

Wieland Speck

Beim heutigen "Kulturtermin" im Deutschlandfunk ein knapp halbstündiges Radiogespräch mit dem Berlinale Panorama-Sektionsleiter und Festivalmacher Wieland Speck aus Anlass des Abschlusses der Filmfestspiele von Cannes. Das Gespräch trägt den Titel "Cannes und die Zukunft des Kinos?" und ist zugleich auch eine Auseinandersetzung zur Frage der Zukunft von Filmfestivals. Die Radiosendung ist als Podcast-konfektionierte MP3-Datei "downloadbar".

ATRIUM

Mittwoch, 11. März 2009

So finster die Stadt

Heute kam bei mir die Ausgabe 2.09 der schweizer Filmzeitschrift "Filmbulletin - Kino in Augenhöhe" an, die mir als gedrucktes Magazin des Kinos mit ihren reich bebilderten Filmbesprechungen und ihren Schwerpunkt-Themen sehr gut gefällt und so schön schweizerisch pragmatisch ist, was gleichbedeutend für mich ist wie: undogmatisch.

Erstaunt war ich über die schnelle Besprechung des Begleitbuchs zur diesjährigen Berlinale-Retrospektive durch Frank Arnold unter dem Titel "So finster die Stadt". Ja, das stimmt, Berlin ist zur Berlinale-Zeit stets ganz finster. Zu solcher Zeit ein Ort zum Davonlaufen oder zum zu Hause bleiben.

Bei dieser Besprechung sollten wir einmal etwas in die Tiefe gehen. Frank Arnold schreibt:

Mit finanziellen Engpässen hatte offenbar auch die diesjährige Berlinale-Retrospektive "70mm - Bigger than life" zu kämpfen, jedenfalls verriet Rainer Rother, der künstlerische Direktor des Berliner Filmmuseums, vor einer der Vorführungen, dass die Auswahl zumindest in einem Fall aufgrund einer 16mm-Kopie getroffen werden musste. Das Geld, um die Sichtung mithilfe der originalen 70mm-Kopien durchzuführen, war nicht vorhanden.


Als ich das gelesen hatte, habe ich schallend gelacht. Ich dachte, Mr. Cinerama hätte in seinem Beitrag von heute (weiter unten) etwas geflunkert. Aber anscheinend mitnichten. Wenn sich filmhistorische Arbeit in der Praxis nunmehr so darstellt, dass es nicht mehr darum geht, eine Vorsichtung dessen zu veranstalten, was man einem Publikum an Auswahl präsentieren möchte, sondern vielmehr darum, dass man die ehemalige branchenübliche Vertriebspraxis des "Block- und Blindbuchens" dahingehend restituiert, dass man preisgünstig Filmpakete eines US-Major-Studios blockweise und eben ohne Vorsichtung übernimmt, dann kann man dies immer noch dann ohne Gesichtsverlust tun, wenn man auch dazu steht und eben gerade dies, die Restitution von Vertriebsmodi, zum Thema macht.

Ich möchte nicht mißverstanden werden: Es ist keine Schande über wenig oder nur einen geringfügigen Etat zu verfügen. Und es ist erst recht keine Schande, aus einem mäßigen Budget nach dem Maximalprinzip das Maximum an Effekt erzielen zu wollen. Und zum Dritten ist es schon gar nicht verwerflich, ein kleines und überschauliches Projekt zu präsentieren, wenn die finanziellen Mittel für Gigantomanie nicht ausreichen.

Das Ganze wird nur dann ein Problem, wenn einem das Marketing-Prinzip des "Kaisers von China" verrutscht und es dann nur noch um des "Kaisers neue Kleider" geht, heißt: Man kann den Kaiser von China mit seinem kaiserlichen Filmformat gerne zu Gast einladen und aus dem Staatsbesuch ein Volksfest kredenzen. Wenn man dann allerdings statt der kaiserlichen Instrumente nur Pappteller parat hat, die man mit Porzellan-Farbe anzustreichen versucht, dann wird das irgendwann mehr oder weniger schnell die fachkundige Entourage des kaiserlichen Hofs und auch das gemeine Volk vor Ort merken. Dann gibt es die Variante, dass die einfacheren Naturen den Schluss daraus ziehen, dass der Kaiser von China eben doch auch nur von Papptellern ißt und dass dieses sagenhafte Porzellan aus dem sagenhaften Mythenreich, was jeder gerne mal mit den eigenen Finger taktil erkunden möchte, auch nur was ganz Gewöhnliches sei. Und dann gibt es noch die Variante, dass sich die einheimischen Porzellanbrenner fachkundig über die präsentierte Mogelpackung und den geleisteten Bärendienst in ihren Depeschendiensten austauschen.

Jetzt zur Publikation, Frank Arnold schreibt weiter:

Das schlägt sich im Begleitbuch insofern nieder, als eine Würdigung dieses Formats, die über das Technische hinausgeht, unterbleibt. Das mag in dieser Weise konsequent sein, denn über die 70mm-Ästhetik anhand von DVD-Editionen zu reden, hat etwas Fragwürdiges. So ist die Publikation vorrangig ein Kompendium, im dem es um die Entwicklung der Technik geht, um die verschiedenen Formate zwischen Todd-AO, Dimension 150 und Ultra-Panavision 70. Die beschreibt Gert Koshofer auf 22 Seiten, die in Anbetracht dieser Materie eher wie eine Skizze wirken. Manches hätte man wirklich gern ausführlicher dargestellt gesehen, etwa, wie es für "Flying Clipper - Traumreise unter weißen Segeln" (1962) zur Entwicklung eines eigenständigen deutschen Systems MCS 70, kam. (...) Bleibt zu hoffen, dass die Seh-Erfahrung bei der Retrospektive sich in einigen adäquaten Texten niederschlagen werden, denn – das wurde deutlich – 70mm ist "mehr als bloss eine Format-Bezeichnung" (Rainer Rother).


Kann ich nur sagen: Arme Autoren, denen von den Herausgebern, Kuratoren und Verlegern nicht genügend Zeit und Raum für ihre Darstellungen und ihre Recherchen einschließlich beurteilender Bewertungen zur Verfügung gestellt wurden. Gert Koshofer ist, was Fachwissen im Bereich der Farbfilmgeschichte angeht, sicherlich unschlagbar. Die Hardcover-Publikation liegt mir vor; ich finde, das Druckhaus Köthen hat einen wunderbaren Produktionsjob gemacht und vom Materialwert des Buches sind €22 ein (subventionierter) Schnäppchenpreis. Bei mir hätte das Buch, komplett abgesehen vom Inhalt, mindestens das Fünffache im Einzelverkaufspreis kosten müssen. Seien wir also froh, dass es wieder eine deutschsprachige Buchpublikation in diesem Themenkreis gibt und das zu diesem Preis. Andererseits ist es für einen Verleger von Filmfachbüchern dann doch erschreckend, wie viele Filmbücher in den Filmbuchverlagen an Lahn, Spree und Bodensee letztlich von der Quersubventionierung leben, leben müssen. Im übrigen widmete sich auch die erste Ausgabe der Weltwunder der Kinematographie von 1994 dem Thema "Geschichte des 70mm-Films" auf 22 Seiten, welcher Zufall! Man sollte die kaballistische Bedeutung der 22 bezogen auf die 65 und die 70 einmal näher betrachten.

Es bleibt das Desiderat einer ausführlichen inhaltlichen und qualifizierten Bewertung dieser Epoche des Kinos einschließlich einer heutigen Bewertung der Filme in ihrem damaligen sozio-kulturell-ökonomischen Umfeld. Dabei bleibt jedoch problematisch, die bei der Berlinale vorgefundene Rezeptionserfahrung in Texte umsetzen zu wollen - so wie dies Frank Arnold einfordert -, wenn die eingesetzten Projektions-Vorlagen als "Originale" und die technischen Einrichtungen ebenfalls als "Original" vorausgesetzt werden. Die Dinge sind hier komplizierter, weil zum Teil fragwürdige Umkopierungen und Restaurierungen durchgeführt worden sind; diese rühren nun daher, dass der ganze 70mm-Hype letztlich ein Abfall-Produkt filmischer Rekonstuktionen, speziell gezielt auf Silberscheiben-Produkte für den Heimabsatzmarkt, ist. Bei den erheblichen Kosten für den "Saubermachprozess" von Kopiervorlagen und Negativen kann man ja mal eine 70-mm-Kopie versuchsweise ziehen, die man notfalls auch zum elektronischen Color-Matching im Digital-Intermediate-Prozess mit einbeziehen kann. Gemessen an traditionellen Kopierwerksstandards hat man es dann dabei mit einer Nullkopie zu tun, also etwas, was man normalerweise keinem Publikum zumuten möchte, in Berlin aber als das Non-Plus-Ultra verkauft wurde. Allein schon dieser Umstand macht die Spannweite der übergangenen Problematik deutlich, von der Abschaffung des Magnettons, dem Nichtvorhandensein von adäquat klingenden Magnettonvorverstärkern mal ganz abgesehen und der Tatsache, dass eine Todd-AO-Leinwand eben anders aussieht als in den Kinosupermärkten, etc, etc...

Ergo: Wir dürfen also noch auf jeweils ein Opus Magnum der Geschichte des Breitwandkinos im Allgemeinen und der des 70mm-Films im Besondern hoffen, geschrieben von Rick Mitchell (auf Englisch) und von Mr. Cinerama (auf Deutsch), und hoffentlich innerhalb der nächsten 15 Jahre, wenn es dann noch Fachbücher auf Papier geben sollte.

ATRIUM

Freitag, 27. Februar 2009

Manfred Salzgeber

Es war vor ein paar Wochen, als mir Mr. Cinerama aus Berlin ein Konvolut von digitalen Scans per Email ins Haus sandte. Es war eine Fotosammlung gemeint auch zur Positionsbestimmung des künftigen Kinomusems Berlin. Mit dabei war auch ein Portrait-Foto von Manfred Salzgeber aus den frühen 1970er-Jahren, aus seiner Bali-Zeit in Zehlendorf. Sofort war sie wieder da: diese durchdringliche Stimme aus dem Radioäther der SFB/RIAS-Radiostationen der 1980er-Jahre, durchdringliches Zeichen, dass wieder Berlinale-Zeit war und in der noch übersichtlichen Kinoshow Westberlins eben auch eine Seitensektion betriebsbereit wach war.

Es vergingen ein paar Tage, bis mir die Zusammenhänge klar wurden.
Schließlich postete ich am 24.02. an anderer Stelle im Internet:

Wenn man sich die Biographie von Manfred Salzgeber bei Wikipedia mal näher unter dem Gesichtspunkt auch der Berliner Kinoevolution (Bali, Tali) durchliest

http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber

dann wundert man sich zum einen, warum sein Leben noch nicht als Bio-Pic verfilmt wurde (sei es als Doku mit den noch lebenden Zeitzeugen wie deHadeln, Speck, Schoeller -- oder wie bei "Milk" als Doku-Fiction).

Abgesehen davon wurde mir zum anderen wieder deutlich, dass das "Forum" sich einst als Gegenfestival zur Berlinale gegründet hatte (bevor es vereinnahmt wurde und nunmehr fast bedeutungslos ist).

In dieser Geschichte stecken jede Menge noch zu erzählende "Geschichten" und Lernhinweise für die Lage heute, wenn auch 30 - 40 Jahre später unter komplett anderen Kontexten.


Aufgrund dessen antwortete Mr. Cinerama auf meine Idee an anderer Stelle im Internet wie folgt:

Die Pionierleistungen des Manfred S. in der Profilschärfung der Berliner Off-Kinobewegung müssen hoch geachtet werden, zumal er der "Sozialdemokratisierung" etwa der Arsenalianer auf dem Öffentlichen Parkett durch Radikalisierung seiner Polit-Programme im 'BALI' entgegentrat, die jenes Kino zum Magneten der Protestszene eben so machten wie ihn persönlich zur Zielscheibe ewiggstriger Zehlendorfer, die ihn daraufhin an bestimmte Ort wünschten (das Vokabular ist bekannt). S. war filmhistorisch enorm gebildet und nebenher auch ein Kenner der verschiedenen kinematographischen Format: eine der wenigen Altlinken ohne Scheuklappen vor den Erzeugnissen des amerikanischen Konservatismus - von Ford bis Dmytryk. Das unterscheidet ihn von sog. Linksliberalen, wie sie später unter der Ägide von HHP und WJ in der Stiftung Deutsche Kinemathek durch Fixierung auf rein biographische und humanistisch-fixierte Autorenkunst als das Gegenteil von "Kinowissenschaft" betrieben haben - was zum Fernsehmuseum nun führte.


Daraufhin fasste ich mir Mut und schrieb den noch lebenden (Alf Bold ist ja auch schon seit 1993 tot), den ehemaligen "näheren Zirkel" von Manfred Salzgeber mit einer Rundmail folgenden Textes an:

Gentlemen:

eine kleine Anfrage zum Thema "Bio-Pic Manfred Salzgeber".

Nicht nur der Erfolg von "Milk" legt es nahe: auch die junge Nachwuchsgeneration an Dokfilmern (Anfang der 1980er geboren) zeigt inzwischen fortgesetzt Interesse an Lebenswürdigungen jener vor 1995 "zu früh Verstorbenen", wie beispielsweise Matt Wolf in "Wild Combination" zu Arthur Russel. Auch wir haben im derzeitigen Sichtungsprozess für das Globians Doc Fest Berlin zwei neue Beispiele für die Würdigung dieser "zu früh Verstorbenen" durch die nachstrebende Dokfilmergeneration eingereicht bekommen.

Liest man nun die Kurzbiographie von Manfred Salzgeber bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber

so habe ich mich heute gefragt, warum es über Manfred Salzgeber eigentlich noch kein "Biopic" gibt, zumal viele der "Zeitzeugen" noch am Leben sind und vor Kamera berichten können. Als Ex-Stuttgarter reizt neben der "Politisierung des Privaten" zudem der Bogen von Stuttgart-Rohr/-Vaihingen über Amsterdam nach Berlin (West), das Verhältnis Buch/Film/Kino, die Gründungszeit der "Programmkinos" in West-Berlin und die Berlinale-Epoche "de Hadeln", überhaupt der westdeutsche Zeitbogen von 1961 - 1989.

Bevor ich mir jetzt weitere Gedanken mache, wollte ich mal in die Runde des "näheren Zirkels" fragen, ob hier vielleicht schon jemand dran arbeitet, arbeiten möchte und/oder wie eigentlich allgemeine "Stimmungslage" diesbezüglich ist.

Sollte ich damit bei jemanden ggf. "geschlossene Türen einrennen", bitte ich um Verständnis:
Durch die Festivalarbeit lernt man die "kreative Aggregation" statt des "stillen Brütens".

Besten Dank für Feedback im voraus!


Ich bin gespannt, was sich in dieser Sache entwickelt, denn Manfred Salzgeber ist einer der wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Berliner Entwicklungen. Das grundlegende Schisma zwischen "Kuratorium" und "Kinomachen", das für die gesamte Berliner Sitaution grundlegend ist, kann man mit der Aufarbeitung von Salzgebers Historie verständlich machen. Man könnte es freilich dadurch auch möglicherweise "heilen".

ATRIUM