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Sonntag, 19. Januar 2014

Digitale Dämmerung

Der laufende Paradigmenwechsel und die Perspektivenverschiebung um die Digitale Zivilisation benötigen Diskursraum und zwar einen dezidierten.

Deshalb habe ich heute den neuen Blog

www.digitaledämmerung.de

bei Wordpress eingerichtet.


Sonntag, 4. März 2012

Das Wiener Modell: "Digital ist ein anderes Medium"


Bereits das Gesprächsbuch "Film Curatorship" hatte vor einigen Jahren gezeigt, dass man sich in Wien, im Österreichischen Filmmuseum, den Kinodingen, die sich derzeit – um nicht zu sagen: heuer – sehr in Veränderung befinden, grundsätzlich widmen möchte. In einem am 28.02.2012 in der Wiener Zeitung veröffentlichen Gespräch von Matthias Greuling mit Alexander Horwath und Alejandro Bachmann – zufällig auf den Tag genau dem 50. Jahrestag des Oberhausener Manifests, als man im deutschen Feuilleton mit der eigenen Filmkultur diesbezüglich beschäftigt war – gehen die drei Wiener Herren dem Wechsel von analog zu digital im Kino für die kulturelle Erhaltung als medienspezifischer Erfahrung in Museen und Kinematheken als großer Herausforderung erneut auf den Grund.
Dieser Text ist hier online erhältlich:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/film/440069_Digital-ist-ein-an...

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Montag, 13. Februar 2012

David Bordwell's "Pandora's Box"

David Bordwell's article series "Pandora's Box" from his Blog on the worldwide conversion to digital cinema projection and its far reaching impact is very good indeed and important to read:

Hightlights so far,

- on the short history of digital cinema exhibition (and which role the Video-CD had played):
"Pandora’s digital box: From the periphery to the center, or the one of many centers"
from January 11, 2012
http://www.davidbordwell.net/blog/2012/01/11/pandoras-digital-box-from-the-pe...

- on the impact of digitalization to the film festival fare & ventures
"Pandora’s digital box: At the festival"
from January 5, 2012
http://www.davidbordwell.net/blog/2012/01/05/pandoras-digital-box-at-the-fest...

- on 'the enormity of what film archives face' due to digitalization of cinema
"Pandora’s digital box: Pix and pixels"
from February 13, 2012
http://www.davidbordwell.net/blog/2012/02/13/pandoras-digital-box-pix-and-pix...

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Montag, 15. Februar 2010

Der Verlust des Wissens durch die Digitale Kultur

The New Scientist bringt einen Artikel von Tom Simonite und Michael Le Page mit dem Titel "Digital doomsday: the end of knowledge"; der Text verweist darauf, dass das Problem des Langzeiterhalts von digitalen Daten bislang ungelöst bleibt -- als Folge des Fehlens entsprechender Medienträger und inhärent als ein kulturelles Problem der Überredundanz mit (von der Zukunft aus betrachtet) unwichtigen Informationen.

Die neu am Markt befindliche Service-to-burn DVD unter dem Markennamen "Cranberry DiamonDisc" ist zwar ein interessanter Ansatz aber keine Lösung, vor allem mit der Geschwindigkeit, in der Mr. Jobs von Apple die Laufwerke für optische (und magnetische) Speichermedien in Computern und sonstigen zu verkaufenden Proprietätsmaschinen wieder loswerden möchte.

ATRIUM

Donnerstag, 7. Januar 2010

Warnung vor dem Schwanz, der mit dem Hund wedelt

Thomas Elsaesser hat in epd-Film, Ausgabe 01/10, ein beeindruckendes Essay zum Digitalen 3-D-Kino veröffentlicht. Er argumentiert, dass hier mit aller Gewalt der erweiterte "military-surveilance-entertainment complex" eine neue Standard-Voreinstellung unserer technologischen Wahrnehmung setzen will, als Teil eines neues Paradigmas für die Kontroll- und Überwachungsgesellschaft. Auf der Strecke bleiben dabei humanistische Werte wie "Introspektion, individuelles Bewußtsein und persönliche Verantwortlichkeit".

Dieses Essay belegt mir implizit den langen Weg von der ersten Euphorie gegenüber der Digitalen Kultur am Anfang der Jahrhunderts, wie ich sie bei ihm an der Universität Amsterdam anlässlich einiger Besuche bei Kolloquien erlebt habe, hin zu einer tiefgreifend kritischen Sicht auf die technologischen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, denen nicht nur das Kino sondern immer weitere Bereiche der bisherigen Kultur und des Humanismus seit einigen Jahren ausgesetzt sind.

3D im Kino und als neue Bildoberfläche in den anderen visuellen Darstellungsformen ist damit alles andere als harmlos.
Was setzt man also dagegen außer Ignoranz?
Digitale Unkultur wird zu einer Angelegenheit des Widerstands.

ATRIUM

Freitag, 1. Januar 2010

Unumkehrbarkeit der Digitalen Kultur ?

Während die Digitale Kultur seit einigen Jahren wie eine Dampfwalze über analoge Lebenszusammenhänge hinweg schredderte, erzeugt sie selbst den Eindruck unumkehrbar und ohne Alternative zu sein. Der digitale Zeitpfeil geht schnurstracks immer weiter, geradeaus. Kritik und Einspruch sind nicht erlaubt, weil Evidenzerfahrung allenthalben. Dabei sind die beiden kardinalen und technischen Eckpfeiler der Digitalen Kultur bislang ohne jegliches Fundament: Weder ist der Langzeiterhalt von digitalen Daten auf Medienträgern gelöst, noch eine Lösung in Sicht, wie man unter Zinkpest-Bedingungen eine digitale Infrastruktur aufrecht erhält, wenn Hardware-Industrien in Ermangelung an Nachschub knapper Metall-Rohstoffe keine Massenware mehr produzieren können. Herstellung von Computer-Chips als Einzelstücke in Manufakturen? Wohl eher kaum. Auf so etwas eine Zivilisation ohne analoges Fallback aufzubauen, ist mehr als tollkühn.

ATRIUM

Mittwoch, 18. November 2009

Nur das Digitale und Onlinene ist das Wirkliche
am Beispiel des Todes eines Erfinders von Analogtechnik

Es ist mir vom 09.11. bis heute nicht gelungen, die Information über den Tod von Carsten Diercks († 02.11.2009) bei der deutschen Wipidedia einzutragen. Mein Eintrag des Sterbedatums wurde dort zwei Mal mit dem Hinweis, dass es keine Referenz im Web gäbe, wieder gelöscht. Eine gedruckte Todesanzeige in einer großen deutschen Tageszeitung ohne Online-Repräsentanz ist heutzutage eben nicht mehr ein ausreichender Grund, dass ein Mensch gestorben sein soll. Ich habe es heute nochmals ein drittes Mal probiert, den Biographie-Eintrag von Carsten Diercks bei de.wikipedia.org zu aktualisieren, sozusagen in Selbstreferenz auf die eigene Meldung.

Der ganze Vorgang erinnert mich stark an die Prophezeiung von Rick Prelinger vom Anfang der Dekade, dass alles, was künftig nicht digital und online sei, gar nicht mehr in der Wirklichkeit vorkomme und als solches überhaupt wahrgenommen, beachtet werden kann. Prelinger war dafür, eben alles online zu stellen, vor allem seine Filmsammlung an ephemeren Filmtiteln.

Das ist ein bedenklicher Vorgang.

Zum einen beispielsweise beim Kulturdruck, mittels Google Books die gedruckte Kultur der Buchwelt in die digital-onlinene Sphäre zu konvertieren, bei dem jetzt (nach dem aktuellen rechtlichen "Vergleich") der deutsche Kulturraum anscheinend nicht mehr grundsätzlich repräsentiert werden wird. Sozusagen eine weitere Marginalisierung deutscher Gedanken in der vierten industriellen Revolution.

Zum anderen zeigt eine solche Marginalie den zunehmenden Repressionsdruck durch die Technik, bei der das Kreativ-Anarchische und "Augmentative" des Anfangs sich wie in einer Drehtür zunehmend in ein repressives Herrschaftsinstrument verwandelt. Die Zeit scheint nicht mehr weit für eine Überlegung, die ganzen digitalen "Gadgets" aus Freiheitsgründen lieber dem Elektroschrott zuzuführen, statt sich ihrer noch aktiv zu bedienen. Die Wandlungen der Firma Apple in den letzten Jahren sprechen dafür Bände.

Geradezu ein Treppenwitz ist in diesem Zusammenhang die Entscheidung der freiheitsliebenden Niederländer, sich im Zuge der Einführung einer zusätzlichen, verbrauchsorientierten Energiesteuer sich unbedingt einer Technologie der permanenten Verortung der gesamten mobilen Bevölkerung bedienen zu wollen. Hieran zeigt sich, dass eben doch das Reale das Wirkliche ist und die eingesetzte Kulturtechnik nur das Mittel zum Zweck.

Die nationalstaatliche Ordnung der Gesellschaften ist in keinster Weise auf das Hereinbrechen dieser technischen Kulturrevolution vorbereitet gewesen und ist es weiterhin nicht. In gewisser Weise schließen sich staatliche Großstrukturen und die feinstoffliche Welt des Digitalen einander aus. Anders herum formuliert: Wir haben das Wesentliche dieser Neu-Technik noch nicht kapiert und tasten uns in den alten Strukturen regressiv (also mehr zurück als nach Vorne) vor. Was wir in der nächsten Dekade erleben dürften, wird ein Ausdeklinieren eben (nicht nur) dieses Konfliktes sein, dass eine digitale Welt im Korsett des Nationalstaats nicht progressiv sondern nur regressiv funktioniert. Wenn man aber den Totalitätscharakter steigert, implodiert dieser am expansivsten Punkt. Das dürften wir doch im 20. Jahrhundert vom 20. Jahrhundert ansatzweise gelernt haben.

Ob das Digitale nun also der Treibsand oder der Transmissionsriemen gesellschaftlicher Veränderungen hin zu einem höheren, mehr entwickelten Status sein wird, haben wir in unserer "Pionierzeit" noch nicht entscheiden können. Zu sehr waren wir von kaufbaren "Gadgets" und dem durch sie entfesselten Marketing-Budenzauber entzückt, wenn nicht gar entrückt.

Demgegenüber haben die analogen Erfinder und Forscher, wie eben Carsten Diercks, vor rund 50 Jahren unter dem damals erlittenen Materialwiderstand doch recht genau gewusst, für was und wen sie welche Dinge mit welchem Zweck und mit welchen Folgen neu entstehen lassen.

ATRIUM

Montag, 16. November 2009

Digitale Präsentation für filmhistorische Kino-Programme

Die neue Ausgabe 7.09 des schweizer "Filmbulletin" berichtet in der Rubrik "kurz belichtet" auf Seite 3 vom Einbau einer "state-of-the-art" Digital Cinema Anlage beim "Filmpodium Zürich". Interessant der angegebene und berichtete Grund. Zitat: "Dieser Schritt in die digitale Zukunft wurde vor dem Hintergrund gemacht, dass es immer schwieriger wird, 35-mm-Kopien von Filmklassikern in wenn möglich bester Vorführqualität von Verleihern und Filmarchiven zu erhalten. Sei es, dass die Kopien durch Abnutzung und chemische Zersetzung gefährdet sind und deshalb zur Vorführung nur beschränkt oder gar nicht freigegeben werden, sei es dass restaurierte neue Kopien jenseits des Massenmarkts so kostspielig sind, dass sie sich Institutionen wie das Filmpodium nicht mehr leisten können." -- Zitat-Ende -- Dieser Umstand, dass Filmkopien als Gebrauchsgegenstände, dem Verschleiß unterworfen, mit dem Wandel zu einer digitalen Kultur immer mehr kulturgeschichtlichen Original-Artefakt-Charakter erhalten und damit restriktiv nurmehr 'hinter musealen Vitrinen' zu sehen sein werden, war mit dem Aufkommen der DVD vor rund 12 Jahren und der zunehmenden Qualitätsverbesserung von Videoprojektoren zur elektronischen Projektion mehr als absehbar und ich habe in den von mir herausgegebenen Buchtiteln seit diesem Zeitpunkt immer wieder darauf hingewiesen.

Meine Frage wäre nun, warum man als an der Kinogeschichte Interessierter ausgerechnet in Filmkunsttheater noch gehen soll, wenn man sich filmhistorische Schätze qualitativ besser zu Hause ansehen kann (ohne Störung durch die Anwesenheit anderer Zuschauer), weil man inzwischen auf das gleiche Repertoire auf Disk oder online Zugriff hat -- und sich bei den kleinen Zuschauerscharen im Kino mit historischem Programm auch ein kollektiver "Publikumsmassen-Effekt" nicht mehr einstellen will, gerade weil eine digitale Präsentation eben nichts Außergewöhnliches und Besonderes mehr ist.

Meiner Ansicht nach leisten sich die Kinematheks-Kinos und historischen Filmkunst-Theater mit der Umstellung auf Digitale Projektion keinen Gefallen, sie unterminieren ihre eigene Existenzberechtigung. Meine nächste Frage wäre: Wie breit kann man "historische Aufführungspraxis" in die Fläche und die Tiefe bringen, mit der neuen Arbeitshypothese, dass ein freier Zugang zu Filmkopien als Gebrauchsgegenstand und Mittel zum Zweck einer Kinoaufführung absehbar nicht mehr gewährleistet sein wird -- und die Archivbestände von Kinematheken zu in der Regel 'geschlossenen Anstalten' werden dürften.

Die Lebendigkeit des filmstreifenbasierten Kinos dürfte zur Grabesstille vergleichbar bei den ehrwürdigen Bildtafel-Ausstellungen in Staatsmuseen werden: rar, teuer und extrem aufwendig.

Die andere Variante für eine Zukunft des Kinos könnte natürlich der "Seminarraum" sein, wenn digitale Projektion als Zugangs- und Eintrittsmedium zum historischen Verständnis der Sache werden kann. Dabei erinnere ich mich gerne an Robert Kudielkas manchmal vier Stunden lange Vorlesungen in der Berliner 'Hochschule der Künste' zur Kunstgeschichte, damals in den 1980er Jahren, etwa bei "Einbildungskraft – Diagnose eines Defizits", in denen er immer darauf hinwies, dass die Dias, die er uns als Reproduktionen begleitend zeigte, nie die Sache selbst seien. Er forderte uns immer dazu auf, sich die Tafelbilder im Original vor Ort anzuschauen. Im Theorieunterricht an der Lette-Schule hatte ich zuvor vom Unterschied zwischen Körperfarben und Lichtfarben auch schon gehört.

Ich befürchte, dass die Glitzerbilder bei digitaler Projektion etwa von "Criterion" Blu-Ray-Titeln nicht mehr als Repräsentation und Verweis auf etwas Originales, sondern als "bessere Sache an sich" angesehen werden. "Noch nie sahen Filmklassiker so gut aus, wie jetzt" - wenn in hoher Qualität nahe am Kameraoriginal abgetastet und verlustfrei verbreitet wird.

Hier liegt also ein grundlegendes Missverständnis vor, bei dem es nicht darum gehen soll, in ein "Lob des qualitativen Mangels" einzustimmen, weil "Film war eben immer ein perfektes Medium" (Detlev Mähl, siehe unten). Es liegt an uns, dies auch in der nahen Zukunft vermitteln zu können. Eine schwierige Aufgabe mit vielen Fallstricken des Offensichtlichen.

ATRIUM

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Public Viewing im Kino von Satellit

Wie schnell sich mit der technischen Umstellung durch Digitalisierung der Begriff von Kino grundsätzlich verändert, zeigt der Bericht von heute in der Berliner Morgenpost über die Übertragung des Londoner Robin Williams Konzerts ins Berliner Kino Astor. Zwar sind Bühnenübertragungen nicht mehr neu - der New Yorker Metropolitan Opera wegen - aber mit was will man sonst Kinos bespielen, wenn das Auswertungsfenster für Spielfilme von drei Wochen auf ein einziges Wochenende schrumpfen sollte? Das derzeitige massive Investment in proprietäre Satelliten-Technik bei den großen Kino-Ketten zeigt, dass die Technik auch genutzt und refinanziert werden will. Digitalprojektor und 3-D-Technik sind also nur Teil des inhaltlichen Shifts, zu dem auch exklusiver Zugang zu Direktübertragungen von Live-Events gehören dürfte. Will man den Shift auf den Begriff bringen, so müsste man den Wechsel vom Werk zum Programm attestieren. Beim 35-mm-Filmstreifen gab es immer nur Werke, für die eine gewaltige Maschinerie in Gang gesetzt wurde; mit der "Großen Fernsehstube" regrediert das Kino letztlich statt sich durch seine Begrenzung entfalten zu können.

ATRIUM

Montag, 6. April 2009

Kino ohne Fremdwerbung ?

Bei ftd.de mit heutigem Datum online ein Beitrag in der Financial Times Deutschland über das mögliche Ende von Fremdwerbung in Kinos unter dem allgemeinen Zusammenbruch der Buchungsquoten aufgrund von institutionsbedingter Inflexibilität sowie mangelnder Fokusierung in Sachen Schärfe der Zielgruppenbestimmung. Und wieder zeigt sich, wie die alte Tante Kino bei der allgemeinen Kontextualisierung der digitalen Kultur mit Tags, Nutzungsprofilen und Keywords zurück bleibt. Die Werbewirtschaft will kein Kino mehr buchen, sondern einen Werbekontext wie bei Google Ads.

ATRIUM