Gleich drei Mal bin ich heute auf "Kulturelles Driften" als schleichender, derzeit vorherrschender Kulturprozess gestoßen. Einmal ist mir die diesjährige Film-Ausgabe des BELIEVER Magazins aus San Francisco erneut in die Hände gefallen, mit dem sehr lesenswerten Beitrag von C.S. LEIGH über "CONTEMPLATING THE NEW PHYSICALITY OF CINEMA".
Zum anderen hat sich Rüdiger Suchsland gestern und heute in TELEPOLIS detailliert, vielschichtig und nuanciert über "Polanski und seine Feinde" geäußert; ein Beitrag, der den "Fall Polanski" eher als einen Fall durch "Kulturelles Driften" erkennen lässt.
Dass schließlich aus dem Wesenskern politischer Repräsentation im Nationalstaat eine zunehmend identitätslose Hülle gemäß dem "Malen nach Zahlen" geworden ist, scheint mir nach aktuellen Farbenspielereien auf den Paletten von Schwarz-Gelb-Grün, über Rot-Rot-Grün, Schwarz-Rot, Rot-Rot, Schwarz-Gelb bis zu Rot-Grün ein weiteres Indiz für einen vorliegenden Fall von "Kulturellem Driften" zu bedeuten. Wie gut, dass das Deutschlandradio am Wochenende des 17./18.10.09 eine dreistündige "Lange Nacht" (jeweils auf DLF und DLR) veranstaltet zur bedeutenden Wiederkehr des Denkens von Leopold Kohr (und kurz nach seinem 100. Geburtstag).
ATRIUM
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Montag, 12. Oktober 2009
Montag, 25. Mai 2009
Entwicklungshilfe
Die Financial Times Deutschland ist zur Zeit besonders lesenswert. Morgen erscheint in der Druckausgabe eine Kolumne von Lucas Zeise unter dem Titel "Das Inflationsgespenst", in der er darlegt, warum der immense Geldmengenzuwachs der letzten Jahre und Monate und Wochen bislang nicht zu einer Hyperinflation der Verbraucherpreise geführt hat. Seine Antwort ist realtiv simpel: Staatliche Politik bedeutet zur Zeit einen Geldmengenzuwachs bei denen, die bereits schon viel an Geld haben, also eine Umverteilung nach Oben unter dem Etikett der Sicherheit durch bewahrte Strukturstabilität. Sein Rat: "Kauft keine Anleihen von Banken und Staaten!". Hinzuzufügen darf man hier, dass die gerundete Vervierfachung der Verbraucherpreise seit 1999 einer rund 15 - 20 %igen Inflationsrate bzw. Teuerungsrate pro Jahr entsprochen haben dürfte. Milchpreissenkungs-Debatten haben dabei auf allen Seiten Signalcharakter zur besseren Vertuschung. Hyperinflationen beginnen stets mit seltsamen Preissprüngen der Teuerung, die sich keiner so recht erklären kann. Insofern sind wir auf gutem Wege...
Heute erschien in der ftd.de zudem ein Hinweis auf die Buchveröffentlichung von Dambisa Moyo unter dem Tiel "DEAD AID", in der sie darlegt (was wir hier immer schon wussten), dass nämlich monetäre Entwicklungshilfe viel mehr schadet, als sie nutzt. In "DEAD AID" steht, warum. Leopold Kohr würde wohl sagen, dass dies ein Beleg für die Dysfunktionalität von zu großen Größen sei.
ATRIUM
Heute erschien in der ftd.de zudem ein Hinweis auf die Buchveröffentlichung von Dambisa Moyo unter dem Tiel "DEAD AID", in der sie darlegt (was wir hier immer schon wussten), dass nämlich monetäre Entwicklungshilfe viel mehr schadet, als sie nutzt. In "DEAD AID" steht, warum. Leopold Kohr würde wohl sagen, dass dies ein Beleg für die Dysfunktionalität von zu großen Größen sei.
ATRIUM
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Mittwoch, 4. März 2009
Beschleunigter Wandel ist keine "Delle" mehr
Der "Spiegel" brachte vorgestern einen Rundblick zum "raschen Sterben des US-Zeitungsmarktes", bei dem es unter dem Strich nicht nur um den endgültigen Vollzug des Medienwechsels von Print auf Online geht, sondern damit auch um einen Generationswechsel, bei dem die Alten vor die Tür gesetzt werden und die Jungen ihr Online-Ding weiter betreiben dürfen. Mit diesem Beitrag von Marc Pitzke kann man nicht nur belegen, wie sich ökonomisch "Freier Fall" anfühlt, sondern auch, dass Leopold Kohrs Thesen aus den 1950ern und 1960ern voll zutreffen: Die Größe von Entitäten ist immer ein Problem, wenn die Entitäten zu groß sind. Ein Schweizer Kanton hat die richtige Größe, wie auch Luxemburg; ein deutscher Nationalstaat, nicht nur in den Grenzen von 1938, ist als politische, demographische und ökonomische Einheit deutlich zu groß. Kohrs Schüler E.F. Schumacher hat daraus dann "Small Is Beautiful: Economics as if People Mattered" ("Die Rückkehr zum menschlichen Maß. Small is beautiful. Alternativen für Wirtschaft und Technik") zur These kondensiert. Das ist insbesondere wichtig, weil man bei den US-Zentralbanken statt nur mit Hunderten von Milliarden zu operieren, jetzt doch lieber gleich zu "Blankoschecks" übergehen möchte, doch lieber gleich in "Trillions", notfalls mit Kommastelle, rechnen möchte, was vereinzelt bereits zu Stimmen führte, dass wir alle bald - demokratisch - mit Milliarden und Trillions rechnen dürfen. Solcherart konzipierte Rettungsaktionen basieren auf der Annahme, dass "Komplett-Crashs" unangenehm sind, und man diese lieber so lange wie möglich rauszögert, vielleicht kommt ja doch noch die wundersame Rettung, dass Benzinautos von selbst kein Benzin mehr zum Betrieb benötigen. Die größte Entität, der souveräne Nationalstaat, stemmt sich mit aller Kraft gegen das Umfallen seiner großen ökonomischen Subentitäten und wird über kurz oder lang mit ihnen selbst auch umfallen. Die nationalökonomische Struktur ist dabei, sich zu übernehmen und wird dabei unstabil. Systemtheoretisch nennt man so etwas "Katastrophische Bifurkation". Derweil dürfen wir den Beschluss der Regulatoren von der europäischen Hyperstruktur, die ich eher Hybrisstruktur nennen würde, über die Bestrahlung mit falschen Spektralanteilen, Elektrosmog und epileptischer Gepulstheit künstlichen Lichts und das damit zusammenhängende Verbot von "Glühlampen" zur Kenntnis nehmen und uns dafür bedanken, dass nicht auch Zahnbürsten, gedruckte Bücher und Filmfestivals aus Energieeffizienzgründen verboten werden.
Was bei all dem allerdings vergessen wird, ist die Tatsache, dass das Internet nicht nur ein großer Energieschlucker ist (siehe unten), sondern auch eine zunehmend technische Monostruktur im Riesenformat. Darauf hat gestern Joachim Jakobs bei Telepolis in seinem Beitrag "Der Kollaps des Internet ist heute genauso unvorstellbar wie der Kollaps der Finanzbranche vor einem Jahr" hingewiesen. Ich hielt schon die Abschaltung des Fernschreiber-Telex-Netzes vor über zehn Jahren für sehr frivol; die Abschaltung von ATM wäre wirklich eine große Dummheit. Wenn man alle lebenserhaltenden Informationen nur noch über eine Inter-Mononetz laufen lässt, dürfte man sich bald über die Konsequenzen, die die Kombination aus Mono- und Riesen-Struktur an Störanfälligkeit bedingt, nur noch wundern: Kein Telefon, kein Telefax, kein Mobilfunk, kein Fernsehen, keine Email, kein Web.
Der Große Wandel, (den die gebildeten und gut ausgebildeten Astrologen unserer Zeit im Übrigen bereits seit einigen Jahrzehnten vorhersagen konnten -- und der sich auch auf den Maya-Kalender in Richtung Zeitenwende 2012 wunderbar abbildet) greift auch in die Mikrostruktur ein und damit sind wird wieder bei Kino-Perspektiven.
Es war klar, dass auch Filmfestivals, die vom Sponsoring großer Corporations abhängig sind, von der Krise des Wandels nicht verschont bleiben. Jüngste Kalamität ist der Abbruch des "Canadian Film Festival"-Projektes in Toronto, wie man vorgestern bei der Toronto Globe and Mail nachlesen konnte. Das "CFF" war das Gegenfestival zum großen TIFF. Dazu screenwriter/director Michael Sparaga in dem Artikel: "The Toronto International Film Festival is this great, big beast that exists in Toronto, and unfortunately, eats up a lot of the funding. And I get that,” said Sparaga. “But for those Canadian films that don't get into TIFF, the Canadian Film Fest was another option. It shouldn't be underestimated.”
Aus diesem Grund erschien mir diese Art von Funding und Fundraising auch nie als eine besonders nachhaltige Form und Option des Projektbetriebs, selbst auf die Gefahr hin, eben nicht über 50.000 CAN$ an Werbeetat verfügen zu können, sondern auch hier neue Wege zu gehen, gehen zu müssen.
ATRIUM
Was bei all dem allerdings vergessen wird, ist die Tatsache, dass das Internet nicht nur ein großer Energieschlucker ist (siehe unten), sondern auch eine zunehmend technische Monostruktur im Riesenformat. Darauf hat gestern Joachim Jakobs bei Telepolis in seinem Beitrag "Der Kollaps des Internet ist heute genauso unvorstellbar wie der Kollaps der Finanzbranche vor einem Jahr" hingewiesen. Ich hielt schon die Abschaltung des Fernschreiber-Telex-Netzes vor über zehn Jahren für sehr frivol; die Abschaltung von ATM wäre wirklich eine große Dummheit. Wenn man alle lebenserhaltenden Informationen nur noch über eine Inter-Mononetz laufen lässt, dürfte man sich bald über die Konsequenzen, die die Kombination aus Mono- und Riesen-Struktur an Störanfälligkeit bedingt, nur noch wundern: Kein Telefon, kein Telefax, kein Mobilfunk, kein Fernsehen, keine Email, kein Web.
Der Große Wandel, (den die gebildeten und gut ausgebildeten Astrologen unserer Zeit im Übrigen bereits seit einigen Jahrzehnten vorhersagen konnten -- und der sich auch auf den Maya-Kalender in Richtung Zeitenwende 2012 wunderbar abbildet) greift auch in die Mikrostruktur ein und damit sind wird wieder bei Kino-Perspektiven.
Es war klar, dass auch Filmfestivals, die vom Sponsoring großer Corporations abhängig sind, von der Krise des Wandels nicht verschont bleiben. Jüngste Kalamität ist der Abbruch des "Canadian Film Festival"-Projektes in Toronto, wie man vorgestern bei der Toronto Globe and Mail nachlesen konnte. Das "CFF" war das Gegenfestival zum großen TIFF. Dazu screenwriter/director Michael Sparaga in dem Artikel: "The Toronto International Film Festival is this great, big beast that exists in Toronto, and unfortunately, eats up a lot of the funding. And I get that,” said Sparaga. “But for those Canadian films that don't get into TIFF, the Canadian Film Fest was another option. It shouldn't be underestimated.”
Aus diesem Grund erschien mir diese Art von Funding und Fundraising auch nie als eine besonders nachhaltige Form und Option des Projektbetriebs, selbst auf die Gefahr hin, eben nicht über 50.000 CAN$ an Werbeetat verfügen zu können, sondern auch hier neue Wege zu gehen, gehen zu müssen.
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