Freitag, 22. Mai 2009

Ein Blick auf anachronistische Look-Gebung
in der heutigen Filmaufbereitung

Zu den Blu-Ray-Neuerscheinungen von THE ROBE und SOUTH PACIFIC

Nach Ankündigungen in Internetforen, daß THE ROBE aufgrund angeblich schwerer Negativschäden digital restauriert würde, erschien 2009 eine Blu-ray Disc, die auf den ersten Blick ob ihrer Schärfe erstaunte. Zumal durch die Literatur der letzten Jahrzehnte "negative Gutachten“ die Runde machten, zeigte sicht ein weiteres Mal – und zuletzt bereits auf einem „CinemaScope-Festival“ der Karlsruher ‚Schauburg’ 2008, die tatsächliche Bildgüte des Originals, die nicht allein anhand der später gezogenen, optisch nach dem Separationsverfahren umkopierten Technicolor-Druckkopien beurteilt werden sollte. Gewisse Verzerrungen im Bereich von Nahaufnahmen sowie Symptome der älteren Hypergonar-Vorsatzoptik von 1928 sind zwar gegeben, aber nicht mit den niederschmetternden Verrissen der Filmhistoriographie in Einklang zu bringen. Nachwievor sticht in der Restaurierung der Filmbeginn unangenehm körnig hervor, der über Titelbänder und Wandermasken mehrere Bildelemente nach dem Duplikatverfahren zusammenkopierte, die körnig sind und von weißen Lichthöfen umgeben sind. Erst die Aufblende am Marktplatz weist das Originalnegativ als Kameranegativ aus. Trotz exzellenter Schärfe (es kann angenommen werden, daß das von Schawn Belston angekündigte neuartige Digitalisierungssystem mit Bildinterpolation zu Erhöhung der subjektiven Schärfe arbeitete – obgleich keine Angaben zur Verfahrensweise gemacht werden) muß ein gravierender Fehler der Grundabstimmung bemängelt werden, denn das Bild ist um 14 Punkte in der Referenz-Beamer-Einstellung zu hell (das entspräche etwa 20 Bell&Howell-Punkten in der analogen Lichtbestimmung). Auch nach Beamerkorrektur enttäuscht der Farbcharakter der Überspielung, die der Künstlichkeit oder „Verdrehtheit“ vieler seit der Jahrtausendwende erschienener neuerer Filme entspricht, die über den Digital Intermediate-Prozeß abgestimmt wurden: inbesondere der Eastman Color-Look von 1953 wurde in der digitalisierten Version restlos getilgt.

Symptomatisch ist auch die jetzt bläuliche Einfärbung einst graufarbener Säulen römischer Paläste, die offenbar vorgenommen wurde, um die ins eigenartig Bräunliche tendierenden Hautfarben gegenzukorrigieren: ein möglicher Hinweis auf Alterungs- und Color-Fading-Symptome des Originalnegativs – oder ansonsten auf eine fehlerhafte Postproduktion. Bereits in der Anfangsszene des Films, die Versteigerung der Zwillinge, versinken helle Bildpartien in die Charakteristik einer arktischen Landschaft. (Szenen aus DEMETRIUS AND THE GLADIATORS als Vorschau im Anhang dieser Blu-ray Disc zeigen jedenfalls intaktes Eastman Color.) Besonders ärgerlich ist das Fehlen adäquater Bonus-Materialien in dieser Edition, die zur Entstehungsgeschichte des CinemaScope-Prozesses, der optischen und tonlichen Verfahren, eben so Auskunft gäbe wie über eine Andeutung zur Restaurierung.

SOUTH PACIFIC beweist eine schöne Farbqualität in großen Zügen und fällt doch weit in der Schärfe hinter THE ROBE zurück, der neue Transfer ist deutlich grobkörniger (und das kann für einen 65mm-Todd-AO-Film als unzureichend erachtet werden). Einige Farbsäume sind unübersehbar, die von Separations-Nachkopierungen zeugen. Vergleichweise schlecht ist der Bildstand dieser Überspielung, was erstaunt, da noch die 70mm-Duplikat-Kopierung Belstons von vor vier Jahren dieses Problem nicht aufwies. Auffallend bisweilen auch blaue Bildränder, die nach Worten der Restaurateure Belston (oder Robert A. Harris seit seinen VERTIGO-Darstellungen) als "Negativfading" erklärt werden.

Dem ist zu widersprechen: zwar ist der Schaden am Negativ unübersehbar, allerdings auf Fixierbadfehler in der damaligen Entwicklung des Originalnegativs (und nicht zum ersten Mal) zurückzuführen. nach diesem Entwicklungsfehler bleiben Restsilberanteile im Negativ zurück und greifen früher oder später die Farbschichten an.

Diesen Umstand von "Negativ-Fading" zu trennen (das es durchaus auch gibt), wäre m.E. von den Verantwortlichen abzuverlangen. Wenn aber nicht einmal ein halbwegs intakter Farb- und Lichtausgleich möglich ist - und Mr. Belston bei Fox scheint auch nicht über eine entsprechende Erfahrung mit alten Filmen zu verfügen -, dann ist auch nicht zu erwarten, das historische Produktions- und Postproduktionsverfahren endlich einmal seriös erörtert werden.

CINERAMA

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